Kultur : Gesäbelte Trios

PETER SÜHRING

Zwei antipodische Zeitgenossen vereinigte die Sonntagsmatinee im Instrumentenmuseum: Ludwig van Beethoven und Johann Nepomuk Hummel.War der eine stets bereit, die Instrumente seinem kompositorischen Willen zu unterwerfen, war der andere bemüht, seine Einfälle den Spielmöglichkeiten der jeweiligen Instrumente anzupassen.Lockte ein einsames Klavier den einen dazu, es orchestral zu mißbrauchen, so gebrauchte es der andere "nur" klavieristisch.Kam Beethoven 1805 die Idee, seine fertige 2.Sinfonie einem Trio für Pianoforte, Violine und Violoncello überzustülpen, so reizte es Hummel 1803, in seinem "Grand Trio" für dieselbigen Instrumente deren Klangeigentümlichkeiten zu synthetisieren.Das "Amsterdam Fortepiano Trio" hatte die schöne Idee, beide Werke aus ihrem Dornröschenschlaf zu erlösen und mit gleicher Hingabe wachzuküssen, wohl wissend, was für ungleiche Brüder es da auf den Weg schickte.

Aber Hingebe an gute Ideen reicht manchmal nicht.Die Geigerin Lucy van Dael war zur Beherrschung ihres tückischen historischen Instruments nicht disponiert.Leider mißlangen ihr viele Details, ein Geigenbogen will ungern als Säbel bedient sein und ein Trio ist durch so etwas leicht aus den Angeln zu heben.Ihre beiden mit empfindsamen musikalischen Sensorien ausgestatteten und operierenden Partner konnten zwar trösten, aber das verlorene Gleichgewicht nicht herstellen.Stanley Hoogland am Pianoforte mit pedaliter fein gesetzten Cordierungseffekten und Wouter Möller am, seinem Körper angeschmiegten, Violoncello ohne Bodenhaftung mit elegantem Strich konnten gleich am Anfang den abgerundet aber modulationsfreudig dämonisierend komponierten Hummel nicht retten.Um den war es auch deswegen besonders schade, weil er die absolute Gleichrangigkeit der drei Instrumente technisch und klanglich vorausgesetzt hätte.Was Beethoven seiner 2.Sinfonie antat, läßt sich nur pragmatisch als selbst verbrochenes Arrangement für Hausmusik rechtfertigen.

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