Kultur : Geschichte Kubas: Eine gelungene Einführung von Michael Zeuske

Roman Rhode

Wer sich für Kubas Geschichte interessiert, hat meist auch die Zukunft der Insel im Blick. Darüber, wie es nach Fidel Castro weitergehen könnte, gibt sich Michael Zeuske, Professor für lateinamerikanische Geschichte in Köln, jedoch keinen Illusionen hin. Auch nach dem Tod des Máximo Líder, schreibt Zeuske, stießen militärisch-politische Lösungsversuche unter den Kubanern auf Zustimmung. Denn bereits die kreolischen Generäle, die Ende des 19. Jahrhunderts gegen das spanische Mutterland kämpften, trugen populäre Werte wie nationale Unabhängigkeit, Würde und Eigenständigkeit auf ihrem Banner.

Dass sich Castro im Konflikt mit den USA auf diese Tradition der Unabhängigkeitskriege beruft, ist bekannt. Und worüber sich Nationalhelden wie Antonio Maceo und José Martí noch gestritten hatten, schuf Castro durch einen Handstreich: den politisch-militärischen Oberbefehl in Personalunion. Andererseits genießen die "Revolutionären Streitkräfte" ein hohes Ansehen, weil deren Offiziere sich als erfolgreiche Unternehmer profilieren konnten. Inzwischen leitet ein Ex-Generalstabschef sogar das wichtige Zuckerministerium.

Diese Verbindung von Militär und Wirtschaft, betont Zeuske, reiche bis ins 16. Jahrhundert zurück. Und die Verstaatlichung der Wirtschaft unmittelbar nach der Revolution 1959 gehorche weniger den Lehren des Kommunismus, als der alten iberischen Tradition eines staatlichen Handelsmonopols.

Wenn Zeuske die historische Entwicklung Kubas zwischen spanischer Kolonie, Nationalstaat und Revolution in all ihren Facetten nachzeichnet, dann beschränkt er sich nicht nur auf deren vorzügliche Beschreibung oder die Aufbereitung umfangreichen Datenmaterials. Ihm geht es vor allem darum, die gegenwärtige Situation der Zuckerinsel verständlich zu machen. Wer Castro nur als eine ferngesteuerte Figur im Schnittpunkt der Großmächte begreift, wird kaum verstehen, warum Kuba auch nach dem Zusammenbruch des Ostblocks munter auf der Weltbühne agiert.

Um das zu erklären, verzichtet Michael Zeuske auf ideologisch geprägte Interpretationen und setzt stattdessen auf historische Zusammenhänge. Für ihn ist es zum Beispiel nicht sozialistischer Etatismus, der die Vorherrschaft des Staates bei den aktuellen Wirtschaftsreformen auszeichnet, sondern "eine hispanisch-kolonialgeschichtliche Tradition", die sich bis heute fortsetzt.

Zeuske hat das bisher prägnanteste Buch zur Geschichte Kubas vorgelegt. Und setzt damit der fortschreitenden Entpolitisierung unseres Kubabildes durch den Massentourismus und "Buena Vista Social Club" ein Zeichen entgegen.

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