Geschichtswissenschaft : Arno Borst ist tot

Der deutsche Historiker Arno Borst ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Bekannt wurde er durch sein Werk "Lebensformen im Mittelalter".

Konstanz/Stuttgart - Wie seine Familie mitteilte, starb Borst am 24. April nach kurzer Krankheit. Eine Beisetzung sei im engsten Familienkreis geplant, hieß es weiter. Borst wurde am 8. Mai 1925 in Alzenau in Unterfranken geboren. Der Wissenschaftler wurde mit mehreren Auszeichnungen im In- und Ausland geehrt. So erhielt Borst für seine Verdienste um die Erforschung und Darstellung der mittelalterlichen Geschichte, seinem zentralen Forschungsgebiet, 1995 den Brüder-Grimm-Preis der Marburger Universität. Die italienisch-schweizerische Balzan-Stiftung ehrte ihn 1996 mit dem hoch dotierten Balzan-Preis. Borst habe "die Forschung über die mittelalterliche Kultur in beträchtlichem Maße bereichert", hieß es zur Begründung.

1962 erhielt Borst einen Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Erlangen und erhielt nach Gründung der Universität Konstanz 1968 dort auch einen Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters. 1969/70 war Borst Prorektor der Universität Konstanz. Von 1987 bis 1990 war er Inhaber einer besonderen Stiftungsprofessur des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft in Konstanz, 1990 wurde er emeritiert.

Borst forschte zur Vielsprachigkeit der Menschheit

Seine als Buch publizierte Dissertation über die "Katharer" (1953) wurde Standardwerk über die religiöse Bewegung in Südfrankreich und ins Französische und Japanische übersetzt. In dem sechsbändigen Werk "Der Turmbau von Babel" (1957-1963) ging Borst der Frage der Vielsprachigkeit der Menschheit nach und dem, was im Laufe der Jahrhunderte zu dieser Frage gesagt worden ist. In besonderem Maße bekannt wurde Borst durch das Werk "Lebensformen im Mittelalter" (1973). Seit den 80er Jahren und besonders nach seiner Emeritierung 1990 widmete sich Borst in seinen Forschungen dem Leben des Reichenauer Gelehrten und Benediktinermönches Hermann des "Lahmen" - laut Medienberichten seine Lieblingsgestalt in der Geschichte. (tso/dpa)

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