Kultur : Geschlossene Gesellschaft

Während des Juli-Modewochenendes zeigte Yamamoto einige seiner Kollektionen in Berlin

Grit Thönnissen

Dass inzwischen an zwei Wochenenden im Jahr in Berlin Modemessen stattfinden, ist hinlänglich bekannt. Aber auch außerhalb der Messehallen sind Modeunternehmen mit ihren Kollektionen in Berlin präsent – in so genannten Showrooms. Dort zeigen Designer und Modemarken ihre Entwürfe für das nächste Jahr oder lassen sich von einer Vertriebsagentur vertreten. Diese kümmert sich darum, dass Teile der Kollektion von Einzelhändlern bestellt und für sie produziert werden.

Dass viele Modefirmen lieber einen Showroom anmieten, als sich dem Gedränge auf einer Messe mit hunderten von Konkurrenten auszusetzen, hat verschiedene Gründe: Gerade hochwertigen Designermarken ist es auf einer Messe schlichtweg nicht exklusiv genug. Sie verschicken lieber gezielt Einladungen an ihre Kunden und präsentierten ganz in Ruhe ihre Kleider, oft mehrere Wochen hintereinander. Schließlich geht es in der Mode auch immer um zukünftige Trends, und die sollen ja nicht alle schon ein Jahr vorher sehen – erst recht nicht die großen Modediscounter, die sich so gut aufs Abkupfern verstehen.

Auch in Düsseldorf, wo die weltweit größte Modemesse, die CPD, stattfindet, werden die wichtigen Geschäfte meist in den Showrooms rund um das Messegelände getätigt. Firmen wie Strenesse oder Hugo Boss haben dort ihre eigenen Räume. In Berlin allerdings zeigte Boss auf der Messe Bread & Butter und Strenesse auf der Premium.

Zum ersten Mal war während des Modewochenendes im Juli auch die Mode des japanischen Designers Yohji Yamamoto in Berlin zu sehen. Nicht auf einer der Messen, denn Yamamoto gehört zu der Art-Designern, die ihre Kollektion lieber separat zeigen. Für seine Entwürfe mussten die deutschen Einkäufer bisher nach Mailand, New York oder Paris reisen. Jetzt waren die Kollektionen seiner Linien Y’s for Men und Women und Y by Yohji Yamamoto für drei Wochen in der Agentur Klauser in der Wallstraße in Mitte zu sehen. Man munkelt, die Geschäfte seien gut gelaufen, man könne sich vorstellen, im Winter wiederzukommen. Eine Bestätigung aus dem Hause Yamamoto gab es dazu allerdings nicht. Für den Modestandort Berlin ist es ein Gewinn, wenn sich internationale Schwergewichte hier präsentieren. Das Kuriose an Berlin ist, dass die Stadt Modedesigner anzieht, obwohl hier das kaufkräftige, modebewusste Publikum fehlt.

Große Marken wollen mit ihrer Präsenz in Berlin vor allem den deutschen Markt bearbeiten. Viele Berliner Designerlabels dagegen nutzen wähend der Messen ihren Heimvorteil: Da wird das Atelier kurzerhand zum Showroom umfunktioniert, um sich internationalen Besuchern zu zeigen, denn diese Variante ist wesentlich kostengünstiger als ein teurer Messestand.

Manchmal wird aus einem Showroom fast wieder eine kleine Messe, wenn sich, wie im Falle von „Berliner Klamotten“, einer Plattform für Berliner Modedesign, gleich 30 Designerlabels wie Betty Bund, Thatchers und Adddress zu einem Showroom-Kollektiv zusammentun.

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