Kultur : Geschmuggelt

Susanna Nieder

Jan (Florian Jaeger) hat es schwer. Seit drei Jahren versprechen die Eltern, mit ihm nach New York zu fahren, und nie wird was draus. Zwar besitzt er einen Fernseher, einen neuen Basketball und coole Klamotten, aber nie hat jemand Zeit für ihn. Stattdessen wird er auf das Schiff seines Onkels Viete verfrachtet, mit dem er von Genua nach Hamburg fahren soll.

Erst ist das doof. Dann freundet er sich mit dem Koch (Dieter Pfaff) an, der Seemannsgarn spinnt, aber auch viele wahre Flüchtlingsgeschichten kennt. Und dann wird es spannend, denn Jan selbst entdeckt einen blinden Passagier. Oder vielmehr: eine Passagierin im Maschinenraum, sehr scheu, nicht älter als er. Newena heißt sie - und mit ihr erlebt Jan bald ein echtes Abenteuer.

Durch Jans Augen erfahren wir, warum diese Fahrt für Newena kein Spiel ist. Jan legt die Maßstäbe eines deutschen Kindes aus gesicherten Verhältnissen an. Wenn das Familienfoto verkohlt ist - na, dann zieht man sich eben schön an, posiert und macht ein neues. Doch Newena kommt aus einer anderen Welt. Sie hat keine Heimat mehr, ihre Eltern sind im Krieg auf dem Balkan umgekommen. Jetzt sucht sie ihren kleinen Bruder, der alles ist, was sie noch hat.

Nenad Djapics Film erzählt behutsam für Kinder, was sich hinter TV-Bildern von Krieg und Vertreibung verbirgt. Am Ende geht alles gut aus. So gut, wie es unter diesen Umständen eben geht.

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