Kultur : Gespräch über Wolken

PETER HERBSTREUTH

Nun hat sich die Malerei der in Helsinki lebenden Nina Roos mit dem Dunkel befreundet und treibt aus der Farbe Gegensätze ans Licht.Gelb kontrastiert mit Schwarz, Grün mit Blau.Figuren und Linien suggerieren Konstellationen.Fast werden bildliche Handlungszusammenhänge benennbar, es will scheinen, als habe sie mit Dämonen gerungen, bevor sie sich entschloß, mit ihnen zu tanzen.Früher favorisierte sie informelle Farbwallungen und machte sichtbar, was der Sprache entglitt.Jetzt neigen sich die Bilder mit einer gewissen Härte dem Sagbaren zu, sind weniger luftige Erscheinung als erdige Rauhheit.Doch ihr Wille, dem Unbekannten ein Gesicht zu geben, blieb.

Als sie vor drei Jahren in Berlin ausstellte, da waren ihre Bilder wie heller Hauch.Sie bevorzugte helles Blau, lichtes Rosa, transparentes Violett und ermalte aus der monochromen Farbe das Werden eines Bildes bis zu dem Punkt, wo es schon nicht mehr zufällig, aber auch noch nicht benennbar war.Erkennbar war der Wille zum Bild, der paradoxerweise ohne Zwang erschien.Das Besondere lag einerseits darin, daß die Bilder in nichts der sichtbaren Welt glichen und dennoch nicht bloß als abstrakte oder gegenstandlose Malerei bezeichnet werden konnten, und andererseits darin, im Dialog zwischen dem Willen des Malerin und der Eigengesetzlichkeit der Farbe etwas Drittes zu erzeugen, das von beiden unabhängig war.Deshalb konnte sie sagen, sie male solange an einem Bild, bis sie selbst nicht mehr weiß, was es darstellt, es sich aber deutlich als Gegenüber behauptet.

Nina Roos hatte sich in den letzten zwei Jahren einen Präsentationsstop verordnet.Sie malt weiterhin auf Acrylscheiben.Doch in die lichten Farben setzt sie eine schwarze Figur, die wie ein im Aufsprung Begriffener das Bild dynamisiert und in Konstellation mit einer gebrochenen schwarzen Linie zeichenhaft erscheint.Damit illustriert sie keine Bedeutung, nährt aber ein Ahnen und entferntes Verstehen.Alles bleibt vage wie zuvor.Doch die Vagheit gewinnt Nachdruck.

Wenn man versucht, jemandem von diesen Bildern zu erzählen, so ist es noch immer so, als spräche man über Wolken, die sich formieren und auflösen, während hier und da ein Zeichen wie ein verkohltes Flugobjekt im Sonnenlicht erscheint.Man weicht auf Ähnlichkeiten aus und spricht aus, was sich diese hochkonzentrierte Malerei zu sagen versagt.Merkwürdig aber ist, daß sie einen zum verhaltenen Ton verleitet.Man sucht nach Worten und beginnt fast zu flüstern.Die künstlerin malt mit entschlossener Zagheit.Daraus erwächst ihr diskreter Charme wie eine Uniform des Haltlosen.Und eben darin behauptet sich diese Malerei gegenüber der Bürde der Geschichte und der Gleichgültigkeit der Gegenwart als mögliche Position.Dem Undarstellbaren zugewandt, bewahrt sie das Sichtbare mit Vorbehalt.

Galerie Gebauer, Torstraße 220, bis 27.Juni, Dienstag bis Sonnabend 12-18 Uhr.

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