Kultur : Gestelzt

Kolportage mit schönen Menschen: „The Poet“ von Paul Hills

Daniela Sannwald

„Der Schöne ist das Biest“ heißt das Motto dieses Films, über den man eigentlich kein Wort verlieren müsste, wenn er nicht so ärgerlich wäre. Eine offensichtlich teure deutsch-österreichisch-britische Koproduktion im Super-Breitwandformat mit ambitionierter Besetzung und eindrucksvollen Locations ist „The Poet“, aber all diese production values werden glatt verschenkt. Das liegt am Regisseur Paul Hills, der mit dem Format nichts anzufangen weiß, außer lauter schöne Menschen darin herumspazieren zu lassen – und an den Dialogen, deren Gestelztheit noch die besten Darsteller zum Personal eines Rührstücks degradiert. Ganz abgesehen davon, dass Dougray Scott, Laura Elena Harring und Jürgen Prochnow eben nur annehmbare Schauspieler sind.

Und so holpert die Geschichte vor sich hin: Ein Auftragskiller (Scott), Russe natürlich, erschießt versehentlich einen jungen Fotografen, der zufällig Augenzeuge seines Anschlags wurde. In dessen Mappe entdeckt er Fotos von der mit Blut übergossenen Schwester des Künstlers, eines Mannes mit ausgesprochen morbiden Neigungen (Wien!). Der ebenfalls todessehnsüchtige Andrei (Tschetschenien!) mag die blutigen Fotos und das Model auch. Schwester Paula (Harring) bändelt mit dem Schönling an, ohne zu wissen, dass er der Mörder ihres geliebten Bruders ist. Und Kommissar Prochnow kämpft auf verlorenem Posten gegen einen Geheimdienstmann mit Hut.

Ein aus süßlichen k.u.k.- und coolen Kunstszene-Versatzstücken zusammengepuzzeltes Wien gibt den Hintergrund für diese Kolportage. Vollends unerträglich wird es allerdings, wenn Paula mit Andrei in eine Berghütte fährt und man die beiden aus der totalen Aufsicht auf dem Waldboden liegen sieht, nackt natürlich – aber die Unterkörper durch das Scope-Format abgeschnitten. Was das Format dagegen kann, zeigt der Film nur ganz am Anfang, als der einsame Killer in seine riesige, beinahe leere Wohnung zurückkehrt. Aber damit hat „The Poet“ sein Projektil auch schon verschossen. (In sechs Berliner Kinos)

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