Kultur : Gesundheit: Passkontrolle

Carsten Germis

Im Folgenden haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Medikamentenpass aufgelistet.

Warum soll die Chipkarte jetzt kommen - reagiert Gesundheitsministerin Schmidt (SPD) damit auf den Lipobay-Skandal oder hat sie den Vorstoß schon länger geplant?

Die Idee, auf einer neuen Versichertenkarte künftig alle Information über Medikamente zu speichern, die ein Patient einnimmt, ist grundsätzlich nicht neu. Das Bundesgesundheitsministerium plante so etwas bislang jedoch nicht. Mit ihrem neuen Vorstoß "reagierte die Ministerin auf den Lipobay-Skandal", hieß es am Freitag in der Bundesregierung. Die Einführung der Karte ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums bei dem Treffen Schmidts mit Vertretern von Ärzten und Apothekern "im Konsens" beschlossen worden. Jetzt soll der neue Arzneimittelpass schnell eingeführt werden.

Ab wann gibt es den Arzneimittelpass?

Einen konkreten Zeitplan hat das Gesundheitsministerium noch nicht. "Wir erwarten aber, dass es vor der nächsten Legislaturperiode klappt", erklärte eine Sprecherin Schmidts dazu auf Anfrage. Das heißt, spätestens Ende 2002 soll es die neue Versichertenkarte für Arzneimittel geben. Details wird die von der Ministerin eingesetzte Ad-hoc-Arbeitsgruppe festlegen, der Experten, Vertreter des Ministeriums und der Ärzte und Apotheker angehören.

Welche Daten sollen auf dem neuen Pass gespeichert werden?

Auf der Chipkarte sollen möglichst alle Medikamente erfasst werden, die ein Patient einnimmt. "Der elektronische Arzneimittelpass soll Ärzten und Apothekern einen möglichst lückenlosen Überblick über die Medikamenten-Therapie eines Patienten bieten und das Risiko unerwünschter Wechselwirkungen mit anderen Mitteln mindern", erklärte Ulla Schmidt. Zielgruppen sind vor allem Patienten mit besonderen Risiken und Patienten, die von mehr als einem Arzt behandelt werden. Dabei können Ärzte und Apotheker Prüfungen auf Wechselwirkungen von Medikamenten vornehmen und die Patienten warnen. Weitere Folgen: Die Arzneimittelversorgung kann wirtschaftlicher werden. Auch Strukturdaten über das Management von Praxisbudgets und Richtgrößen werden erleichert.

Werden die Daten mit auf der Krankenkassenkarte gespeichert oder gibt es eine zusätzliche Karte?

Das ist noch nicht entschieden. Möglich wäre es, die Arzneimittel und andere Patientenmerkmale auf der persönlichen Krankenversichertenkarte zu speichern. Die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände empfiehlt das besonders den chronisch kranken Menschen, die viele Medikamente benötigen und auf eine angestimmte Arzneimitteltherapie angewiesen sind.

Gibt es schon Modell ein für solche Pässe?

Die Apotheker haben entsprechende Pläne bereits seit Jahren in der Schublade. Sie sehen in der Chipkarte eine Chance, "vertrauliche Patientendaten sicher, vertrauenswürdig und beweiskräftig in Datenverarbeitungssystemen zu behandeln". Zwar sind die bisherigen Karten, die Kassenpatienten benutzen, noch nicht auf dem neuesten Stand, der das zulässt - die technischen Möglichkeiten gibt es allerdings.

Bleibt der Datenschutz gewährleistet?

Gesundheitsministerin Schmidt sieht beim Datenschutz keine Probleme. Die Daten könnten so gesichert werden, dass unbefugte Dritte keinen Zugang erhalten, sagt sie. Wichtig sei, dass der Pass immer beim Patienten bleibt. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass die Daten nur auf der Karte selbst, aber nicht in den Computern der Ärzte oder Apotheker gespeichert werden dürfen. "Das sind technische Fragen, die zu lösen sind", meint Schmidt. Die Opposition sieht das anders. Die PDS-Abgeordnete Petra Pau erklärte, "ein Arzneimittelpass wäre auf jeden Fall ein Daten-Risiko". Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber meinte, mit der geplanten Chipkarte werde die Verantwortung für die eigene Gesundheit noch mehr vom Patienten auf Arzt und Apotheker delegiert.

Welche Verantwortung tragen die Patienten für die Chipkarte?

Da der Arzneimittelpass eine freiwillige persönliche Dokumentation der Arzneimittelversorgung ist, muss der Patient sich darum kümmern, dass auch alle Daten gespeichert werden. Schon jetzt hat er bei Arztbesuchen ja eine Mitwirkungspflicht und sollte auf Medikamente, die er einnimmt, hinweisen. Der Arzt kann dann prüfen, ob es Wechselwirkungen zu anderen Arzneien geben kann, die er dem Patienten verschreiben will. Nach Ansicht des Ministeriums funktioniert das in der Praxis offenkundig nicht gut genug. Die Chipkarte soll dem abhelfen.

Was kostet die geplante Maßnahme?

Berechnungen liegen noch nicht vor. Sie sind auch erst möglich, wenn fest steht, wie die Chipkarte aussehen soll und wie die Daten auf ihr gespeichert werden. Unklar ist damit, wer für die Kosten aufkommen muss.

Bleibt es dabei, dass nur Daten über Arzneimittel gespeichert werden? Oder ist daran gedacht, alle Gesundheitsdaten auf der Chipkarte zu speichern ?

Schmidts Pläne sehen bisher nur vor, Daten über Arzneien zu speichern. Am Runden Tisch im Gesundheitswesen will sie auch darüber sprechen, wie alle Gesundheitsdaten besser vernetzt werden können. Der Sozialverband VdK fordert bereits länger eine Patientenchipkarte, auf der alle verordneten Arznei-, Heil- und Hilfsmittel ebenso abzurufen sind wie Ärzte-Diagnosen.

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