Kultur : Gesundheitswesen: Geld für die Kranken

Was halten Sie denn von der neuen Ges,heitsminis

Eckart Fiedler (58) ist Vorstandschef der Barmer Ersatzkasse. Er begrüßt den geplanten runden Tisch zum Gesundheitswesen.

Was halten Sie denn von der neuen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt?

Der Anfang war vielversprechend. Ich begrüße das Vorhaben, einen runden Tisch einzurichten und Konsensgespräche über die notwendigen Reformen zu führen. Auch in Richtung Opposition, denn die entscheidenden Fragen sind zustimmungspflichtig.

Was kann die Ministerin realistischerweise noch in dieser Legislatur schaffen?

Zwei Dinge müssen noch in diesem Jahr passieren, denn im nächsten wird ja mit Blick auf die Bundestagswahl nichts mehr laufen. Erstens muss es zu einem Beitragssatzsicherungsgesetz kommen. Es soll dazu dienen, die Belastungen zu kompensieren, die wir durch die Politik im vergangenen Jahr aufgezwungen bekommen haben. Zu diesen Belastungen gehörten die geringeren Beitragszahlungen für Arbeitslosenhilfeempfänger, die Kosten für die Neuregelung der Erwerbsunfähigkeitsrenten und die höheren Krankengeldzahlungen. Und zweitens muss das Geld zwischen den Kassen innerhalb des Risikostrukturausgleichs gerechter verteilt werden.

Was läuft da nach Ihrer Meinung falsch?

Heute bekommt jede Kasse für jeden Versicherten einen Durchschnittsbetrag gutgeschrieben, das heißt, wenn einer gesund ist, bekommt die Kasse für ihn zu viel Geld, für einen schwer Kranken aber zu wenig Geld. Das Geld muss aber dorthin, wo die Kranken sind. Wenn sich hier politisch nichts bewegt, werden die Beiträge demnächst auf breiter Front steigen.

Wo im Gesundheitswesen sehen Sie den größten Änderungsbedarf?

Die einzelnen Bereiche arbeiten noch sehr getrennt voneinander. Eine größere Verzahnung zwischen ambulant und stationär

wäre wünschenswert. Wenn man ein qualifiziertes Disease Management für chronisch Kranke schaffen will, muss das mit finanziellen Anreizen für die Kassen belohnt werden. So könnte man chronisch Kranke besser versorgen, den Patienten zugleich Rationierungsängste nehmen und das System zukunftssicher machen. Außerdem würde ein Wettbewerb um Qualität entbrennen. Das bringt auch der Politik Entlastung, weil das System langfristig stabilisiert wird.

Wird sich die Abkehr von der strengen Budgetierung denn auf die Beiträge auswirken?

Frau Schmidt will ja nicht von der Budgetierung insgesamt weg. Sie rückt von starren Budgets ab, ohne die Gesamtbudgets, die für die Beitragsstabilität notwendig sind, in Frage zu stellen. Sie will vielmehr die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Ausgabenbereichen erhöhen. Das ist sinnvoll. Außerdem will sie das Prinzip der kollekiven Kürzungen bei Arzthonoraren fallen lassen, wenn das Budget überschritten wurde. Der Regress träfe ja auch den, der sinnvoll verordnet. Nur wenn der Einzelne sich nicht an das Gebot der Wirtschaftlichkeit hält, sollte er mit einem Regress rechnen müssen.

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