Gethsemanekirche : Eroica: 20 Jahre danach

Am 5. November wollte auch die Staatskapelle ein Zeichen für die Freiheit setzen und spielte – die "Eroica". 20 Jahre danach wurde das Konzert nun wiederholt.

Udo Badelt

Manche Exegeten rätseln bis heute, wer der Held sein könnte, den Beethoven in seiner 3. Symphonie kämpfen, sterben und dann wieder auferstehen lässt. In den Tagen vor dem 9. November 1989 hat es in der DDR viele Helden gegeben. Am 5. November wollte auch die Staatskapelle in der Gethsemanekirche ein Zeichen für die Freiheit setzen und spielte – die „Eroica“. Ein passenderes Werk war kaum denkbar. Die Kirche war damals mit 2500 Menschen gefährlich überfüllt.

Fast auf den Tag genau 20 Jahre danach wurde das Konzert nun wiederholt – wie nahe das Thema den Leuten immer noch ist, zeigt sich daran, dass die Kirche erneut bis auf den letzten Platz belegt ist. Am Pult allerdings steht nicht mehr der 2007 verstorbene Musikchef der Komischen Oper, Rolf Reuter. Der hatte seine Ansprache 1989 mit den Worten begonnen: „Die Mauer muss weg.“ Daniel Barenboim dagegen macht nicht viel Aufhebens, er lässt die Musik sprechen.

Dunkel, fast mysteriös, beginnt das Orchester, was sicher auch der Akustik geschuldet ist, die die tiefen Lagen besonders hervorhebt und vor allem der Pauke eine unglaubliche Präsenz verleiht. Passenderweise ist sie auf dem Altar positioniert. Das Beethovensche Drängen gleicht hier eher einem Lauern. Angespannt, hoffnungsvoll gerät auch der Trauermarsch. Im draufgängerischen Scherzo spielt das Blech eher unsauber, das Holz dafür umso feinnerviger. Magisch die wenigen Takte zögernden Abwartens im Finale, bevor der Maestro dann das triumphale Ende einläutet. Eine Demonstration zum Alexanderplatz, wie damals, schließt sich allerdings nicht an. 

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