"Ghostbusters": Zoff vor dem Kinostart : Die Monster des 21. Jahrhunderts

Rassismus und Frauenfeindlichkeit schon vorm Filmstart von "Ghostbusters": Die Darstellerinnen - vor allem die Afroamerikanerin Leslie Jones - sind einem Shitstorm ausgesetzt.

Lisa-Maria Röhling
Leslie Jones Foto: AFP/Valerie Macon
Darstellerin Leslie Jones ist im Zuge des Filmstarts von "Ghostbusters" einer rassistischen Hetzkampagne ausgesetzt.Foto: AFP/Valerie Macon

„Who you gonna call? Ghostbusters!“ tönte es 1984 von der Kinoleinwand, als Dan Aykroyd, Bill Murray, Harold Ramus und Ernie Hudson unter der Regie von Ivan Reitman

in ihrem Einsatzwagen „Ecto-1“ Jagd nach dem Paranormalen machten. Der Film wurde ein Hit, ein zweiter Teil folgte 1989. In diesem Jahr wird der Klassiker erneut weitergeschrieben, unter der Regie von Paul Feig und mit vier nun weiblichen Hauptdarstellern. Und schon will man sie wieder rufen, die Ghostbusters, um zwei furchtbare Geister der Vergangenheit zur Strecke zu bringen: Rassismus und Frauenfeindlichkeit.

Das Klischeebild von der schlanken, schönen, den Helden bloß bewundernden Frau gehört zu Hollywood seit seinen ersten Tagen. Im Jahr 2016 sollte es nicht mehr der Realität entsprechen, aber es spukt immer noch herum: Kaum wurde das Remake des Geisterjäger-Klassikers aus den 1980ern mit einer komplett weiblichen Besetzung angekündigt, tobte der Shitstorm. Warum Frauen, warum überhaupt diese Frauen? „Hört zu, ich bin kein Sexist, aber Frauen können mit dieser Art von Action und Dialog einfach nicht umgehen“, äußerte sich ein Nutzer. „Das ist ,Ghostbusters' – warum 4 Frauen?“ sagt ein weiterer. Und „Feminazis“ ein dritter.

Geisterjagd, Weltrettung – das ist weiterhin ganz überwiegend Männersache. Dabei sind die vier Frauen, die im Reboot in die Kultrollen schlüpfen, die Speerspitze der US-amerikanischen Comedy-Szene: Kristen Wiig und Melissa McCarthy brillierten im Kassenschlager „Brautalarm“, Melissa McCarthy wurde für „Spy“ sogar für einen Golden Globe nominiert. Leslie Jones und Kate McKinnon sind Stammgäste bei Saturday Night Live. Besser könnten die Grundlagen für eine Kino-Komödie wohl kaum sein. Und doch, die Online-Community wettert: Nicht nur, dass hier eine weibliche Besetzung agiert, nein, sie sei auch noch „hässlich“. Geht denn die Fixierung aufs Starlet nie aus den (Männer-)Köpfen raus?

Beschimpfungen der primitivsten Art

Noch heftiger tobt offenkundig der Rassismus gegen die neue Version von "Ghostbusters". Das fiese Biest mit Reißzähnen und tief-dröhnendem Gebrüll wütet noch immer mit aller Grausamkeit im Netz. Sein jüngstes Opfer ist Leslie Jones, die in "Ghostbusters" die Rolle der Patty Tolan spielt, eine authentische, taffe New Yorkerin. Es gibt eine Szene im Trailer, in der Patty einen Geist in der Menge eines Rockkonzerts jagt – die Menge teilt sich, Patty fällt zu Boden. So weit, so flach. Doch sie reagiert schlagfertig: „Ich weiß ja nicht, ob das jetzt ein Rassending oder ein Lady-Ding war, aber ich bin richtig sauer!“

Wie bezeichnend: Dieser Tage muss Jones sich bei Twitter genau dieser Art von Kritik erwehren. Nicht nur das „Lady-Ding“, sondern vor allem das „Rassending“ macht es der Komikerin zu schaffen. Bei Twitter wurde sie Beschimpfungen der primitivsten Art ausgesetzt: „Orang-Utan“, „Affe“ und „King Kong“ sind das noch die jugendfreiesten Varianten. Jones wehrte sich, indem sie die schlimmsten Tweets selber repostete. Auch Twitter-Chef Jack Dorsey mischte sich schließlich ein, der Account des rechtsstehenden US-Journalisten Milo Yiannopoulos, der diese Kampagne angeführt haben soll, wurde bereits gesperrt. Jones gab schließlich auf: „Heute Abend verlasse ich Twitter mit Tränen in den Augen und schwerem Herzen. Alles nur, weil ich einen Film gemacht habe. Ihr könnt gerne den Film hassen, aber der Scheiß den ich heute mitmachen musste… falsch.“ Selbst in einem Filmjahr, in dem der Hashtag „OscarSoWhite“ zu einer umfangreichen Diskussion über Rassismus in der Filmindustrie geführt hat, sticht der Shitstorm gegen Leslie Jones durch seine besondere Rücksichtlosigkeit schmerzhaft hervor.

Besonders von Männern wird der Film schlecht bewertet

Remakes und Fortsetzungen von Filmklassikern bestimmen seit längerem das Hollywood-Geschäft - das aktuellste Rennen liefern sich "Star Trek Beyond“ und die Fortsetzung von „Independence Day“. Erfolgreich wird die Lust der Fans angestachelt, zu sehen, wie es mit ihren Leinwandlieblingen weitergeht - oder auch wie misslungen eine Fortsetzung eigentlich ausfällt. Erstaunlich allerdings das einhellige Urteil in den USA, wo "Ghostbusters" am 15. Juli ins Kino kam. Bei der Internet Movie Database (IMdB) liegt die Wertung bei 5,3 von 10 Punkten, bei Rotten Tomatoes geben nur 58% von 88000 Nutzern dem Film eine gute Wertung. „Feminists suck“, erklärt ein User seine schlechte Bewertung. Zahlreiche Youtube-Nutzer betonen, es sei unmöglich, den Film negativ zu bewerten, ohne als frauenfeindlich dazustehen - dahinter könne sich nur eine feministische Strategie verstecken. Auch bei IMdB ist die Bewertungsgrundlage erstaunlich: 22358 Männer geben durchschnittlich 4,6 Punkte, 7460 Frauen hingegen durchschnittlich 8,1 Punkte. Gleichzeitig äußern sich viele, ob Männer oder Frauen, positiv über die Besetzung - kritisieren aber Drehbuch und Handlung.

Mit 57 Millionen Dollar Umsatz am ersten US-Wochenende sieht es auch für "Ghostbusters" ganz nach einem Box-Office-Hit aus. Und die Diskussion um Misogynie und Rassismus in der Filmindustrie dürfte er auf seine Weise weiter befeuern. Die neue Ghostbusters-Verfilmung, in Deutschland ab 4. August im Kino, mag tatsächlich doof sein – die Gründe dafür aber sind bestimmt nicht im Geschlecht oder der Hautfarbe des Casts zu suchen. Die Geisterjagd geht weiter.

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