Giacometti-Fälscher vor Gericht : Seht her, wie schön ich fälsche

Das Grinsen kann er sich nicht verkneifen: Vor Gericht hat der angeklagte Giacometti-Fälscher seinen Betrug eingeräumt. Von Reue aber wenig Spur: immerhin sei es "super-genial einfach" gewesen.

der angeklagte Bildhauer und Giacometti-Fälscher Robert D. vor Gericht in Stuttgart.
Ein bisschen stolz: der angeklagte Bildhauer und Giacometti-Fälscher Robert D. vor Gericht in Stuttgart.Foto: Daniel Naupold

Manchmal lächelt der Angeklagte. Und auch der Vorsitzende Richter kann sich ein Grinsen nicht immer verkneifen. Etwa, als er von der Homepage des Bildhauers zitiert, der da vor ihm im Gerichtssaal sitzt: Als „einer der erfolgreichsten Kunstfälscher der Welt“ preist sich der 56-Jährige dort an. Er habe schon viele große Auktionshäuser getäuscht. Und die Kunst, die er zum Kauf anbietet, ähnelt wieder fatal der des Schweizer Genies Alberto Giacometti. Weil der mutmaßliche Fälscher solche Werke über Jahre hinweg auch mit den typischen Giacometti-Signaturen und sogar den passenden Gießereistempeln versehen haben soll, sitzt er nun in Stuttgart auf der Anklagebank.

Denn der 56-Jährige soll künstlerischer Kopf einer Betrügerbande gewesen sein, die über Jahre täuschend echte Skulpturen zu Millionen machte. In Deutschland sollen die Täter mit den Metall-Skulpturen, deren Materialwert jeweils um die 100 Euro lag, einen Schaden von acht Millionen Euro angerichtet haben. Zudem habe es Pläne gegeben, weitere 50 Millionen Euro zu erzielen. Experten rücken den 56-Jährigen in die Nähe des zu sechs Jahren Haft verurteilten „Fälscherfürsten“ Wolfgang Beltracchi.

Alberto Giacometti (1901-1966) gilt als teuerster Bildhauer der Welt. Die Bronzefigur „Zeigender Mann“ wurde kürzlich für mehr als 141 Millionen Dollar versteigert - ein Auktionsrekord für Skulpturen. 500 solcher Kunstwerke soll der Schweizer maximal geschaffen haben. „Ich bin ein glühender Anhänger von Giacometti“, sagt der Fälscher. Dessen Kunst sei „super-genial einfach“.

Am Vertrieb soll der Fälscher nicht beteiligt gewesen sein

Mehr als 1000 Plagiate wurden 2009 im Lager des Fälscherrings in Mainz gefunden. Am Vertrieb der Fälschungen sei er aber nicht beteiligt gewesen, betont der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht. 1500 Plagiate habe man bei ihm angefordert. Viele der Skulpturen trugen die für Giacometti typischen Signaturen und ebenfalls gefälschte Stempel seiner Gießwerkstätten - inzwischen sind die meisten eingeschmolzen.

Der Heidelberger Kunsthistoriker Henry Keazor hält den Fall für durchaus vergleichbar mit den großen Fälschungsskandalen. Schon, weil es den ausgeklügelten Versuch gegeben habe, der Kunstwelt einen glaubwürdigen Kontext für die Fälschungen zu liefern. Da kommt ein Mann ins Spiel, der sich als „Reichsgraf von Waldstein“ und Freund von Alberto Giacomettis Bruder Diego ausgab. Gutgläubigen und betuchten Kunstfreunden erzählte er, die Skulpturen stammten aus einem von den Erben Giacomettis geheim gehaltenen Fundus. Zum Beweis der Echtheit und der Legende legte er ebenfalls gefälschte Echtheitszertifikate sowie das Buch „Diegos Rache“ vor. Der „Graf“ wurde 2011 zu mehr als neun Jahren Haft verurteilt.
Ersponnen hatten die Legende ein Mainzer Kunsthändler und seine Frau. Sie seien sein Kontakt nach Deutschland gewesen. Der Kunsthändler wurde später vom Landgericht Stuttgart zu gut sieben Jahren Haft verurteilt. Mehrere Mitläufer erhielten Haftstrafen.

Die Giacometti-Skulpturen hätten nicht viel eingebracht

Fehlte nur der „Künstler“ selbst, der aber seit 2004 in Thailand lebte. Auf Ko Samui führte er ein Restaurant, wie er sagt. Im vergangenen Jahr wurde er bei der Einreise in seine Heimat auf dem Amsterdamer Flughafen verhaftet. Die Giacometti-ähnlichen Kunstwerke, die er im Internet anbiete, brächten nicht viel ein, sagt er und grinst. Im gestreiften Kurzarmhemd sitzt er da. Konzentriert und mit Blick nach unten verfolgt er die Anklage, deren Verlesung mehr als zweieinhalb Stunden dauert. Grinsen tut er erst, als es um den Eintrag auf seiner Homepage geht. „Klingt doch gut“, sagt er. (dpa)

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