Kultur : Gib dem Affen Kuchen

Der britische Künstler Jonathan Monk montiert bei Meyer Riegger ältere Arbeiten zur neuen Ausstellung.

„Who ate all the pies?“ fragt Jonathan Monk im Titel seiner jüngsten Ausstellung. Den Kuchenfresser glaubt man gleich im Eingang der Galerie Meyer Rieger zu entdecken – und wird bloß vom Künstler wieder einmal sanft in die Irre geführt. Denn das ungelenk gemalte Porträt von Homer Simpson in den farben der Pop Art firmiert zugleich als „American Selfportrait“ (2010) und spiegelt so die unermüdliche Kunst- und Referenzproduktion eines Marktes, der sich vor allem selbst betrachtet.

Ein Solipsismus, den Monk mit seinem ungewöhnlichen Projekt unterbricht: Statt wie üblich mit neuen Arbeiten wartet er in der Galerie mit einem neuen Arrangement auf. Das Material stammt überwiegend aus vergangenen Ausstellungen, wird nun anders verortet und einer Revision unterworfen: Was vermittelt sich im aktuellen Kontext? Dass sich die Arbeiten geschmeidig in die neue Situation fügen, muss man allerdings keine Sekunde bezweifeln. Denn mit Kontexten kennt sich der in Berlin lebende britische Künstler hervorragend aus.

Jedes seiner Objekte nimmt Bezug zur Vergangenheit der Kunstgeschichte. Ein „Corner Piece (for Pistoletto)“ (2006) aus rostfreiem Stahl erinnert ebenso an die Minimal Art wie an Valie Exports Körper-Performances aus den sechziger Jahren. Zurück in diese Zeit versetzt auch die zweifarbige Leuchtskulptur „Onik Xes“ im Schaufenster, die frühe Neonarbeiten von Dan Flavin zitiert. Zum anderen macht sie noch einmal jene Ausstellung nahe der Volksbühne gegenwärtig, für die Monk das Objekt 2010 hat anfertigen lassen: Da reflektierte „Onik Xes“ die Leuchtreklame eines Sex-Kinos gegenüber und stiftete größere Verwirrung unter den Besuchern.

Je tiefer man in das vieldeutige, ironische und dabei immer respektvolle System von Verweisen eintaucht, desto mehr gewinnen Monks Arbeiten (Preise: 4000-140 000 Euro). Obwohl sie zunehmend verunsichern. Sein löchriges Fahrrad, das aus dem Instrument der Mobilität ein Sinnbild für Stillstand macht oder das „Black and White self-Porträt“ (2012) aus Silber, das ständig poliert werden muss. Wer immer es putzt, verschmutzt die Wand und liefert einen sichtbaren Beweis für die Vergeblichkeit dieser Aktion.

Das Imperfekte spielt am Ende vielleicht die größte Rolle in Monks Werk. Wo die Gedanken mäandern, bleibt die Kunst lebendig – wie im „Zwirner Piece“, einer mehrteiligen Arbeit mit Werbebannern aller Künstler, deren Nachlass die Galerie Zwirner vertritt. „I am still alive“ verkündet On Kawara auf dem letzten Plakat – und besteht damit auch auf der Deutungshoheit über sein eigenes Werk.

Galerie Meyer Riegger, Friedrichstr. 235; bis 22.12., Di-Sa 11-18 Uhr. Ab 8.1.-18.1. nach Vereinbarung.

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