• GIDON KREMER bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten und in Berlin: Stadt, Land, Fluss

GIDON KREMER bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten und in Berlin : Stadt, Land, Fluss

Carsten Niemann

Jedes Leben habe seine Tragik, meinte der große finnische Komponist Jean Sibelius. So habe er selbst eigentlich ein berühmter Violinvirtuose werden wollen. Sibelius tröstete sich, indem er eines der beliebtesten Violinkonzerte der Musikgeschichte schrieb.

Ob Gidon Kremer lieber Komponist geworden wäre? Wäre es der Fall, hätte der lettische Violinvirtuose, der am Samstag iin Wittstock mit dem Sibeliuskonzert die Brandenburgischen Sommerkonzerte eröffnet, noch besseren Trost parat: Er gehört mit seinem individualistischen Zugriff nicht nur zu den interessantesten Interpreten dieses Konzerts, sondern kann sich auch der Gewissheit erfreuen, einer Reihe von Werken zeitgenössischer Komponisten zum Durchbruch verholfen zu haben. So markierte seine Uraufführung von „Tabula Rasa“ den Beginn der internationalen Karriere des Esten Arvo Pärt. Intensiv hat sich Kremer auch für die Werke des georgischen Komponisten Gija Kantscheli eingesetzt.

Wie einst Sibelius werden heute Pärt und Kantscheli von den Wortführern der westlichen Avantgarde kritisch beäugt. Wie lebensnotwendig den Landsleuten ihr bisweilen archaischer Mystizismus vor dem Hintergrund eines allgegenwärtigen sowjetischen Materialismus erschien, das dürfte wohl niemand besser erzählen können als Kremer und der estnische Dirigent Eri Klas: Sie stellen dem Sibelius-Konzert am Sonntag in der Philharmonie Werke der beiden Osteuropäer gegenüber. Als Förderer junger baltischer Musiker wird sich Kremer schließlich auch noch am Donnerstag präsentieren, wenn er als Dirigent und Solist vor die von ihm gegründete Kremerata baltica tritt. Sibelius hätte ihn wohl zu Recht beneidet. Carsten Niemann

Kammermusiksaal, Do 7.6., 20 Uhr, ab 7 €;

Wittstock, Marienkirche, Sa 9.6., 17 Uhr, 12 €;

Philharmonie, So 10.6., 20 Uhr, ab 7 €

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