Gidon Kremer und Deis Kozhukhin : Fest der Farben

Er springt für Martha Argerich ein - und erweist sich als hochinteressant: Denis Kozhukhin und sein Auftritt mit Gidon Kremer in der Philharmonie.

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Denis Kozhukhin 2010 nach dem Sieg beim Königin-Elisabeth-Wettbewerbs in Belgien.
Denis Kozhukhin 2010 nach dem Sieg beim Königin-Elisabeth-Wettbewerbs in Belgien.Foto: AFP

Martha Argerichs Absage wegen einer fiebrigen Erkrankung hinterlässt deutliche Lücken in den Reihen der Philharmoniebesucher. Schade für die Fortgebliebenen, denn sie verpassen etwas: Mit dem 29-jährigen Pianisten Denis Kozhukhin haben die Veranstalter einen hochinteressanten Klavierpartner für Gidon Kremer gefunden. Viel gemeinsame Zeit auf dem Podium verbringen die beiden Musiker allerdings nicht. Als einziges Duo steht César Francks große Violinsonate A-Dur auf dem Programm, gefolgt immerhin vom Larghetto aus Dvoráks Romantischen Stücken Op. 75a als Zugabe. Bedauerlich ist die Absage aber besonders für Kremers persönliches Anliegen, der Musik des polnisch-sowjetischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg zu größerer Geltung zu verhelfen. Das Programm wurde umgestellt, von Weinberg blieben allein dessen zweite und dritte Sonate für Violine solo übrig.

Das Gewicht von Hauptwerken wie der Auschwitz-Oper „Die Passagierin“, deren verspätete Uraufführung 2010 einen Anerkennungsschub für den von Schostakowitsch hoch geschätzten Komponisten auslöste, bringen die beiden Stücke nicht auf die Waage. Allerdings steckt besonders in der dritten Sonate, die Weinberg seinem im KZ ermordeten Vater widmete, noch mehr Potenzial, als es Kremer freilegt: Groß, schön, warm und intensiv ist sein Ton, doch wirkt sein Spiel auf die Dauer auch nivellierend. Sieht man das Stück als komponierte Trauerarbeit, dann würde es durch eine manischere Auffassung – etwa bei verzweifelt wiederholten Gesten oder den hartnäckig auftauchenden melodischen Reminiszenzen – möglicherweise noch stärker überzeugen.

Vollständig stimmig wirkt dagegen Denis Kozhukhins Vortrag von Johannes Brahms’ Fantasien für Klavier, die er selbstbewusst mit kernig-energetischem Anschlag in den Auftrittsapplaus setzt: Kraft, Klarheit und ein beeindruckend souveränes Formgefühl verbindet er mit der Fähigkeit, auch zarteste Emotionen ohne jegliche Sentimentalität zum Ausdruck zu bringen. Der Violinsonate von César Franck tut der ebenso aufmerksame wie respektvolle Dialog zwischen Kremer und Kozhukhin gut: Zwingend in der Form und durch die Geige in warme, schwere Farben getaucht, wird sie zum erhofften Fest.



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