Kultur : Gießkanne ade

In den USA wird innerhalb der nächsten Jahre Vermögen im Wert von zehn Billionen Dollar auf die nächste Generation übergehen.Bis zu 45 Prozent des Erbes kassiert der Staat.Nur wer sein Geld beizeiten gemeinnützigen Zwecke zur Verfügung stellt, dem dankt der Staat mit Steuererleichterungen."Wir müssen neue Anreize schaffen, um Geld zu spenden", betont Peter Frumkin, Politikwissenschaftler am Kennedy Center for Nonprofit Organisations der Harvard Universität.Dieser Tage war er zu Gast in der American Academy, um über "Die Zukunft des Mäzenatentums" zu referieren.

Anders als in Deutschland, blickt das Mäzenatentum in den USA auf eine lange Tradition zurück.Allein im vergangenen Jahr wurden 160 Millionen Dollar gespendet, davon mehr als 100 Millionen von Einzelpersonen."Es gibt ein großes Maß an öffentlicher Unterstützung für die Förderung des Mäzenatentums", unterstrich Frumkin.

In den vergangenen Jahren habe es allerdings Veränderungen gegeben.Drei wesentliche Punkte führte Frumkin näher aus.Zum einen gebe es Spannungen in der komplizierten Beziehung zwischen Spender und Empfänger - Spannungen, die ihre Ursache zumeist in kommunikativen Mißverständnissen hätten.Durch eine "authentische Kommunikation" könnten diese Spannungen abgebaut werden.Geber und Empfänger müßten ihre Ziele deutlich formulieren.

Darüberhinaus, so Frumkin, bedürfe es neuer Strategien, um das Mäzenatentum möglichst effektiv zu gestalten.Anstatt weiterhin dem Gießkannenprinzip zu folgen, also möglichst viele Empfänger über einen kurzen Zeitraum mit kleinen Summen zu beschenken, sei es angeraten, längerfristige Beziehungen zu wenigen, ausgesuchten Empfängern einzugehen - und dabei über die finanzielle Unterstützung hinaus auch ideelle Hilfe anzubieten."Nur so erreichen beide Seiten ihre Ziele", betonte Frumkin.

Als dritten kritischen Punkt nannte Frumkin die Intentionen der Mäzene.Ihnen fehle jegliche Kontrolle über die Verwendung der Gelder.Indes: "Mäzene wollen in zunehmendem Maße selbst bestimmen, was mit ihrem Geld geschieht", sagte Frumkin.Er schlug vor, private Stiftungen mit einem festgeschriebenen Zweck und einer begrenzten Laufzeit einzurichten, in denen dem Spender eine Garantie über die zweckmäßige Verwendung seiner Gaben eingeräumt werde.Im Gegenzug müsse der Wohltäter sich bereit erklären, genügend Geld zur Verfügung zu stellen.

Die Zukunft des Mäzenatentums hänge entscheidend davon ab, wie die "mäzenatische Gesellschaft" die drei genannten Probleme löse, betonte der Politikwissenschaftler in der anschließenden, von Tagesspiegel-Redakteur Bernhard Schulz moderierten Diskussion.Nur dann sei eine effiziente Nutzung der Spenden gewährleistet.Denn im Gegensatz zu Deutschland, wo vor allem das Verhältnis zwischen öffentlichen und privaten Zuwendungen diskutiert werde, werde in den USA Wert auf die Vielfalt der unterstützten Vorhaben gelegt."Die Amerikaner werfen 1000 Pfeile auf ein Darts-Brett und hoffen, daß wenigstens einer das Ziel erreicht", sagte Frumkin: "Die Deutschen dagegen überlegen sich, wie man einen einzigen Pfeil so wirft, daß er auf Anhieb ins Schwarze trifft."

MAREN PETERS

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