Kultur : Giftpfeile

Bob Schneider im Heimathafen Neukölln

Gerd Hartmann

Im Fernsehen sind Spin-offs eine bekannte Übung. Da wird eine Serienfigur einfach in eine neue Umgebung gepackt, und fertig ist das neue Format. Auf der Bühne funktioniert das manchmal auch. Zum Beispiel mit der Kneipenwirtin Jutta Hartmann (Bob Schneider), die normalerweise schandmäulig durch die Edith-Schröder-Shows von Ades Zabel stöckelt. Auch auf Solopfaden bleibt die Futschi-Spezialistin Neukölln treu.

Ohne Hartz-IV-Königin Edith an der Seite will sie selbst ganz hoch hinaus. Schließlich würde dem unterbelichteten Bezirk ein glitzernder Weltstar ziemlich gut stehen. Also möchte die Nachwuchsdiva zwecks Karriereschub eine Live-CD aufnehmen, mit dem anwesenden Publikum als Jubelkulisse. Das Setting und die Songs sind trashig simpel. Von Alphaville bis Fire and Ice gehen die Discoknaller, aufgepeppt mit kiezrelevanten Texten.

Dabei wagt sich Bob Schneider in Celine-Dion-verdächtige Höhen. Schwamm drüber, der Abend hat sowieso zwei Stars. Dem zweiten ist die Begabung laut Legende durch gleich zwei hochkarätige Pianisten-Eltern in die Wiege gelegt. Paula Frantz-Kuhn heißt die wuchtige Tastendrückerin. Hinter der steckt Gert Thumser, der normalerweise Chansongrößen wie Cora Frost und Tim Fischer begleitet.

Mit der bräsigen Ruhe einer Elefantengroßmutter schickt er seine Giftpfeile auf die Reise. Die treffen alle mitten in die Lachmuskeln. Seine furztrockenen, völlig abstrusen Kommentare und Geschichten geben genug Butter bei die Fische, dass Neukölln am Ende doch ganz gut dasteht. Gerd Hartmann

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