Kultur : Gingerbread Man

Ein Kuss der Leidenschaft: Im Kino ist das immer gefährlich.Ein erfolgreicher Anwalt (Kenneth Branagh) verliebt sich in eine junge Zufallsbekanntschaft (Embeth Davidtz), und damit beginnt das Verhängnis."Gingerbread Man" heißt ein Lied vom Schwarzen Mann, das die Kinder in den amerikanischen Südstaaten singen, wenn die Angst am größten ist.Im gleichnamigen Film von Robert Altman, der in Savannah spielt, lautet der Refrain: Nichts darfst du glauben, schon gar nicht, was du siehst.Die Strophen gehen so: Jurist verbringt Liebesnacht mit Kellnerin; Kellnerin wird von durchgeknalltem Vater und vom gewalttätigen Ex-Mann bedroht; Jurist läßt Vater in Psychiatrie und Ex-Mann vor Gericht schaffen; Vater flüchtet und entführt Juristenkinder; Jurist nimmt Verfolgung auf und wird zum Rächer wider Willen.Eine schon ziemlich abgenudelte Melodie, die auch dadurch nicht besser wird, daß sie sich in immer schrillere Dissonanzen steigert.Aus der edelholzfunierten Rustikalität des Court Room Dramas begibt sich der Film zum Showdown ins sumpfige Hinterland Georgias, wo er dann endgültig versackt.Ein Sittengemälde aus der amerikanischen Provinz mag Altman im Sinn gehabt werden, doch aus einem John-Grisham-Roman wird auch bei wieder nur einer dieser überlangen, öden und bigotten John-Grisham-Filme.Moralkino der klinisch sauberen Art.Selbst Robert Duvall, der ausschaut, als habe er wie der Una-Bomber die letzten Jahre über in einer Waldhütte gelebt, kann den Film nicht retten.Brilliant ist - wie immer bei Altman - nur die Anfangssequenz.Hoch oben vom Himmel stürzt sich die Kamera da hinab in Kenneth Branaghs rasenden Sportwagen. chs

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