• Gipfelgespräch mit Hrdlicka: Was sich die Linke leisten soll - Der Bildhauer lädt Lafontaine und Gysi ein

Kultur : Gipfelgespräch mit Hrdlicka: Was sich die Linke leisten soll - Der Bildhauer lädt Lafontaine und Gysi ein

Alfred Hrdlicka

Ein Gipfeltreffen besonderer Güte sollte es werden. Kürzlich lud der österreichische Bildhauer Alfred Hrdlicka die Politiker - und politischen Aussteiger - Oskar Lafontaine (SPD)und Gregor Gysi (PDS) zu einer Begegnung ein. Man traf sich in Saarbrücken. Eine neue linke Partei wurde dabei nicht sogleich gegründet. Dennoch könnte das Treffen Folgen haben

Der äußere Anlass für meine Initiative eines Treffens war der Wahlsieg von Berlusconi bei den italienischen Landtagswahlen - obgleich der Mann einige Gerichtsverfahren hinter sich, möglicherweise auch vor sich hat. Was mich ebenso beeindruckt wie die Dickfelligkeit, mit der Helmut Kohl sein "System" vertritt - auch da wird die Staatsanwaltschaft ins Spiel gebracht.

Dagegen ist die hypersensible Reaktion von Gysi und Lafontaine auf parteiinterne Kritik und Auseinandersetzung unverständlich, mir jedenfalls. Die beiden sollten sich die schlechten Beispiele zum Vorbild nehmen. Politik braucht Standfestigkeit. Es ist zwar sehr schön, Wahlsiege zu feiern, aber daraus entstehen Verpflichtungen gegenüber den Wählern. An den Erfolgen der SPD und der PDS haben Oskar Lafontaine und Gregor Gysi sehr großen Anteil. Ich habe ihnen damals in meinem Gratulationsfax geschrieben, dass ihnen zur absoluten Mehrheit einer gemeinsamen Linken nur ein Mandat fehlen würde.

Warum leisten es sich die linken Parteien, ihre fähigsten Vertreter ins Abseits zu drängen? Auf der anderen Seite: Warum leisten sich die fähigsten Vertreter den Abschied von der Politik? Man kann von Mitschuld auf beiden Seiten sprechen, aber letztlich sollte doch die Vernunft siegen.

Es gibt ein ähnliches Beispiel aus den achtziger Jahren in Österreich. Damals wurden der Vizekanzler und Finanzminister Hannes Androsch und der Parteisekretär Heinrich Keller parteiintern demontiert. Sie sind bis heute Mitglieder der SPÖ geblieben, aber politisch inaktiv. Beruflich sind sie beide sehr erfolgreich, nur - ein wenig haben diese zwei Fälle zum Abstieg der SPÖ beigetragen oder ihn sogar eingeleitet. Und heute haben wir die schwarz-blaue Koalition, was die EU so empört und wozu sich auch der deutsche Kanzler Schröder äußern musste. Er sollte besser darüber nachdenken, wie er Oskar Lafontaine für die Politik zurückgewinnen kann. Seinen Rückzug halte ich für eine größere Katastrophe als die schwarz-blaue Regierung in Österreich.

Hin und wieder bekomme ich väterliche Anwandlungen. Schließlich bin ich 72 Jahre alt und habe Zeiten erlebt, den Austrofaschismus, den Nationalsozialismus, die Antikommunisten-Hysterie des Kalten Krieges, als man für seine politische Gesinnung wirklich noch was riskierte. Womit ich das, was mir passiert ist, mit dem schrecklichen Attentat auf Lafontaine nicht vergleichen will. Man hat mich jahrelang attackiert und beschimpft, wegen meines Mahnmals auf dem Albertinaplatz, wegen des Waldheim-Pferdes, des Gegendenkmals in Hamburg und und und. Ich wurde als Stalinist und als roter Nazi etikettiert. Meinetwegen.

1999 habe ich im "Haiderland" Kärnten für die KPÖ kandidiert und im Wahlkampf auch in Wien agiert. Meine "Wahlhelfer" waren gleich mir keine Mitglieder der KPÖ, aber überzeugt, dass ein linkes Lager notwendig ist, denn in der politischen Mitte ist Mittelmäßigkeit programmiert. In diesem Sinn habe ich das Treffen Lafontaine-Gysi angeregt. Verschiedene Aspekte wurden bei dieser Gelegenheit angesprochen, das gegebene Potential und anderes mehr. Nun, es wird sich zeigen, was sich daraus noch politisch ergibt.

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