Kultur : Girlies gegen Amazone

„3 Engel für Charlie – Volle Power“ mit Drew Barrymore, Cameron Diaz und Lucy Liu

Frank Noack

Cameron Diaz freut sich, und wir freuen uns mit. Nach fast zehn Jahren Berufserfahrung und trotz achtstelliger Gage kann sie es immer noch nicht fassen, dass sie beim Film gelandet ist. Ja, wir freuen uns mit ihr, vielleicht eine Viertelstunde lang. Dann möchten wir ein paar zusätzliche Mienen und Gesten sehen, und es gibt keine. Cameron Diaz trägt zwar einen Rollennamen, Natalie Cook, aber sie darf recht eigentlich keine Rolle spielen. Als einer der drei Engel für Charlie darf sie nur Kostüme und Perücken wechseln und sich freuen.

Lucy Liu hat es besser. Als Alex Munday schmunzelt sie geheimnisvoll und ein wenig boshaft. Ihre Kickbox-Einlagen wirken echt und nicht computeranimiert. Und ein Mensch aus Fleisch und Blut ist allein Drew Barrymore als Agentin Dylan Sanders. Kein Wunder: Barrymore ist auch Koproduzentin von „Drei Engel für Charlie – Volle Power“ .

Die Story? Ein Zeugenschutzprogramm des FBI funktioniert nicht. Deshalb wird ein Zeuge nach dem anderen ermordet, und die Engel-Agentinnen sollen retten, was zu retten ist. Und weil das nicht per se schon lustig ist, werden den Zeugen merkwürdige Attribute verpasst. Einer guckt Pornos, ein anderer wird von Bruce Willis mit grauer Perücke gespielt – und die eigentliche Schurkin ist ausgerechnet Demi Moore, Bruce Willis’ Ex-Gattin. Ein Insider-Joke.

Aber wer interessiert sich angesichts all dieser Diven schon für die Story, mag sich Regisseur Joseph McGinty Nichol gesagt haben. Der ehemalige Videoclip-Künstler ist unter dem Kürzel McG bekannt. Lassen wir die drei Mädels einfach gut drauf sein: Natalie, Dylan und Alex schleichen in verbotene Räume und entkommen wieder, singen und tanzen, mal als Nonne verkleidet, mal mit angeklebtem Bart als Mann. So gesehen ist „3 Engel für Charlie“ schon fast ein Experimentalfilm. Soviel Clip-Ästhetik und so wenig Handlung: ganz schön unverfroren.

Im Gedächtnis bleiben die wenigen ernsten Momente. Dylan-Drew hat eine dunkle Vergangenheit, sie war früher mal mit einem brutalen Typen zusammen, der sie misshandelt hat und jetzt aus dem Knast freigekommen ist. Die Wiederbegegnung des Paares geht unter die Haut. Dann ist da noch die Schurkin Madison Lee alias Demi Moore. Sie hatte es satt, als Agentin Aufträge entgegennehmen zu müssen, sie wollte ihr eigener Boss sein. Deshalb ist sie böse geworden. Die fröhlichen Girlies dürfen die verbitterte Amazone zur Hölle jagen. So hat dieser Film zwar keinen richtigen Plot, aber – leider – doch eine Botschaft.

In 22 Berliner Kinos, OV im Cinemaxx Potsdamer Platz und Cine-Star Sony Center

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