Kultur : Glänzende Aussichten

Abseits der Malerei hat sich die Fotografie zur festen Größe entwickelt – mit teils moderaten Preisen

Ronald Berg

Die Grenzen zwischen Kunst- und Fotomarkt sind fließend geworden. Spätestens mit den Überfliegern Andreas Gursky oder Thomas Ruff, für deren Werke inzwischen einige hunderttausend Euro gezahlt werden müssen, haben sich auch die Preise von Gemälden, Installationen und Fotografien angenähert. Zumal sich viele Künstler gar nicht mehr auf ein Medium reduzieren lassen. Von den Fotokünstlern Dieter Appelt und Raimund Kummer sind auf dem Art Forum bei der Galerie Kicken Skulpturen zu sehen (je 39000 Euro). Für den Nachwuchssammler hat der Berliner Galerist diesmal neben der gewohnten Vintage Fotografie einen Newcomer im Angebot: Götz Diergarten setzt die Tradition seiner Lehrer Bernd und Hilla Becher fort und fotografiert an der belgischen Nordseeküste Typologien von Strandhäuschen (ab 2100 Euro). Ebenfalls aus Berlin kommt die Galerie Wohnmaschine, die Fotografien von Alec Soth und Miwa Yanagi auf der Messe präsentiert. Die traumartigen Inszenierungen der Japanerin waren zuletzt in der Deutschen Guggenheim zu sehen (um 20000 Euro). Mit einer zeitgeschichtlichen Entdeckung kann die auf Fotografie spezialisierte Kölner Galerie Thomas Zahn aufwarten. Der riesige Schwarzweißabzug von Altmeister Walker Evans, der ursprünglich für eine MoMA-Show 1971 angefertigt wurde, könnte für stolze 80000 Euro den Besitzer wechseln.

Doch die Auflagenkunst Fotografie bietet auch noch Einstiegspreise: Weitaus günstiger ist etwa die junge Fotokunst aus Finnland, die in den letzten Jahren zu einem besonderen Markenzeichen geworden ist. Fotokünstler wie Miklos Gaál, Jorma Puranen oder Niko Luoma verdanken ihre internationale Reputation vor allem einem Mann: Timothy Persons, „Director of Professional Studies“ an der Universität für Kunst und Design in Helsinki und Chef der zur Uni gehörigen Galerie „TaiK“. Als Uni-Professor bereitet Person die Studenten mit Ausstellungen schon frühzeitig gezielt auf den Kunstmarkt vor und spielt auf internationalen Messen den Impressario. Seine Erfahrung kommt aus der Praxis. Er selbst hat eine künstlerische Ausbildung und arbeitete einige Zeit bereits als selbständiger Galerist – unter anderem als Kooperationspartner von dem Galeristen Claes Nordenhake. Auf Zusammenarbeit mit Museen und Sammlern setzt er auch bei seinen Studenten. Als besonderen Coup wird Person am kommenden Sonnabend in Berlin nun einen Ausstellungsraum eröffnen. Zu sehen sind dort großformatige Fotoarbeiten von zwölf Künstlern. Die Preise liegen je nach Bekanntheitsgrad der Fotografen zwischen 1400 und 9000 Euro. Persons Bemühungen werden auf der diesjährigen Messe übrigens von Finnlands einziger international ernst zu nehmender Galerie unterstützt. Anhava zeigt mit dem Fotografen Ola Kolehmainen ebenfalls einen Persons-Schüler. Das Augenmerk des in Berlin lebenden Kolehmainen, der auch bei der Begleitschau „Made in Berlin“ vertreten ist, gilt den graphisch-farbigen Aspekten der Architektur. Die mittleren Formate kosten 8000 Euro. Wer Persons kennt, wird seine Ankündigung ernst nehmen: So billig werden die Werke der zukünftigen Stars der „Helsinki School“ bald nicht mehr zu bekommen sein.

Artforum-Talk zur Fotografie „Die Zukunft der Fotografie Teil IV“ am 21. September, 15 Uhr.

Helsinki School – Photography Show, Bergstraße 22, am 18. September von 18–21 Uhr, danach nach Vereinbarung.

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