Kultur : Glanz am Rand

Gala für die SPECIALS und zwei extrarote Teppiche: EHRENBÄR für Ken Loach und BERLINALE-KAMERA für Karl Baumgartner.

Der Friedrichstadt-Palast, das International, das Haus der Berliner Festspiele und – Tusch! – der wiedereröffnete Zoo Palast sind die Schauplätze der 18 Filme umfassenden Special-Reihe. Neun davon sind Weltpremieren, manche nur knapp vor Kinostart: Dazu gehören etwa Andreas Prochaskas Thriller Das finstere Tal, in dem ein Neuankömmling die xenophobe Abschottung österreichischer Alpendörfler durcheinanderbringt, und der Oscar-Favorit American Hustle (beide Filme laufen ab 13. Februar im Kino). Volker Schlöndorffs Diplomatie dagegen, der davon erzählt, wie das besetzte Paris Ende August 1944 vor Hitlers Vernichtungsbefehl gerettet wurde, wird erst zum 70. Jahrestag des Ereignisses im Kino zu sehen sein. Schlöndorff ist zudem mit der Wiederaufführung seines Fernsehfilms Baal von 1969 vertreten, die Hauptrolle des jung-wilden Brecht-Helden spielte Rainer Werner Fassbinder. Zu den weiteren Höhepunkten dürfte die Weltpremiere von A Long Way Down (mit Pierce Brosnan und Toni Collette) nach dem Roman von Nick Hornby gehören – vier Lebensmüde begegnen sich auf einem Hochhausdach und beschließen, ihren Selbstmord bis zum Valentinstag zu verschieben. Literaturstoffe bieten ebenfalls der Thriller The Two Faces of January (nach Patricia Highsmith, mit Viggo Mortensen und Kirsten Dunst) sowie Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Grundlage der turbulenten Kriminalkomödie ist der Weltbestseller des schwedischen Journalisten Jonas Jonasson.

Sozial präzis, politisch engagiert, humorvoll und zutiefst human – diese Qualitäten vereinen die Filme von Ken Loach, der mit einem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird. Angefangen hat der Sohn eines Fabrikarbeiters in den sechziger und siebziger Jahren mit BBC-Fernsehfilmen, als Spielfilmregisseur endgültig berühmt wurde er in den Neunzigern. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören „Ladybird, Ladybird“, „My Name is Joe“, „Sweet Sixteen“ und „Looking for Eric“, die im Rahmen einer zehn Titel umfassenden Hommage gezeigt werden. Zur (Wieder-)Entdeckung laden ein: das legendäre TV-Dokudrama über eine Obdachlosenfamilie, Cathy Come Home (1966), und der frühe Spielfilm Kes (1969). Die Ehrung für den 77-Jährigen findet am Donnerstag, 13. 2. (22 Uhr, Berlinale-Palast) statt, danach wird Loachs Film „Raining Stones“ gezeigt.

So wie Berlinale-Chef Kosslick in Filmkreisen von Alaska bis Adelaide weithin beim Vornamen Dieter gerufen wird, so weiß nicht nur in der deutschen Kinobranche jeder, wer Baumi ist: Karl Baumgartner, Herz und Seele der legendären Produktions- und Verleihfirma Pandora sowie unerschrockener Berühmtmacher internationaler Independent-Regisseure. Am Sonnabend, 8. Februar (16 Uhr, Cinemaxx 9) wird er mit der Berlinale-Kamera geehrt, Laudator ist der Finne Aki Kaurismäki. Anschließend zeigt das Festival Kaurismäkis von Pandora verliehenen Film „Das Leben der Bohème“ (1992).

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