Glanz & Gloria : Das Musikfest Sanssouci blickt nach Dresden

"Sachsens Glanz trifft Preußens Gloria". Das Programm der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci ist in diesem Frühsommer ganz der Musikgeschichte Dresdens gewidmet.

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Es muss ein ganz schönes Saufgelage gewesen sein: 1728 kommt der preußische König Friedrich Wilhelm I. auf Staatsbesuch nach Sachsen, um alte Rivalitäten beizulegen. Er und Kurfürst Friedrich August I., auch der Starke genannt, ticken ähnlich, wie man heute sagen würde. Einen Monat lang veranstalten sie Treibjagden zusammen, sehen sich die Festungsanlagen an und vor allem bechern sie, was das Zeug hält. Schließlich ist der Wein in Sachsen besser als das bittere Zeug aus dem Norden. Mit dabei: Der junge Kronprinz Friedrich. Gehörig beeindruckt von Glanz, Kunstsinn und Lebensfreude des Dresdner Hofes, kehrt er nach Hause zurück.

Diese Anekdote liefert den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci ihr diesjähriges Motto „Sachsens Glanz trifft Preußens Gloria“. Das Programm ist in diesem Frühsommer ganz der Musikgeschichte Dresdens gewidmet. 2012 steht der 300. Geburtstag Friedrichs des Großen an – und da will man in Sanssouci dieses Jahr schon mal zeigen, was den König als jungen Mann musikalisch geprägt hat. Das war vor allem die Hofkapelle, heute Sächsische Staatskapelle, eines der ältesten Orchester der Welt. Friedrich versuchte jahrelang, Musiker von dort für seine eigene königliche Kapelle abzuwerben. Beim Geiger Franz Benda und dem Flötisten Joachim Quantz gelang es ihm schließlich. So hat ein wenig Entwicklungshilfe aus dem Süden dazu beigetragen, die heutige Berliner Staatskapelle auf europäisches Niveau zu heben.

Zwischen dem 11. und 26. Juni schlägt das Programm auch noch einen viel weiteren Bogen. Es umfasst 500 Jahre, darunter Musik von Heinrich Schütz oder Antonio Vivaldi (der mehrere Concerti Grossi für die Dresdner Hofkapelle geschrieben hat). Carl Maria von Weber, der ab 1817 Operndirektor in Dresden war, ist mit Szenen aus dem „Freischütz“ vertreten, und Richard Wagner, eine Generation später Kapellmeister in Dresden, mit Ausschnitten aus „Tannhäuser“ – beides auf der Wasserbühne des Belvedere auf dem Pfingstberg. Konrad Junghänel tritt am Pfingstsonntag mit dem Ensemble Cantus Köln auf, die Junge Barockoper Sanssouci wird „Calandro“ von Giovanni Alberto Ristori aufführen. Die zweite Opernaufführung der Festspiele, „Il Paride“ von Giovanni Andrea Bontempi, ist eine Vertonung des Mythos von Paris und Helena, 1662 für eine sächsisch- brandenburgische Hochzeitsfeier in Auftrag gegeben.

Die Musikfestspiele Sanssouci sind eine Potsdamer Institution. Seit 1955 bespielen sie die prachtvollen Parks und Schlösser der Stadt. In den vergangenen Jahren standen Venedig oder England im Mittelpunkt, dieses Jahr kehrt man mit dem Thema „Dresden“ fast nach Hause zurück. Und zum Abschlusskonzert am 26. Juni kommt natürlich die Sächsische Staatskapelle selbst.

11. - 26. Juni, weitere Informationen unter: www.musikfestspiele-potsdam.de Der Kartenvorverkauf beginnt am Sonnabend.

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