Kultur : Glatt gegangen

Sérgio Mendes im „Verve Club in the Garden“

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Die Veranstaltung ist als Edel-Event angelegt. Tickets für 48 Euro, ein Gläschen Wein 6,50, ein kleines Bier 4,50. Am Eingang stehen Hostessen des Sponsors PCC-Direktinvest, ohne den es nicht möglich gewesen wäre, Sérgio Mendes nach Berlin zu holen, wie der Chef von Universal-Music vor Konzertbeginn betont. Mit seinem Jazz-Label Verve ist Universal der Veranstalter des Abends, ein Großteil des Publikums im bemoosten Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie kommt denn auch von Universal oder PCC, die Jacket-Dichte ist hoch. Und der Sound, den der brasilianische Arrangeur und Bandleader Mendes mit seiner zehnköpfigen Truppe in die laue Sommernacht zaubert, klingt dementsprechend: edel, vielleicht zu edel. Man versucht Ecken und Kanten auszumachen – das Salz in der Suppe jedes Livekonzerts. Doch Vergeblich: Der 70-Jährige, der mit hellem Hut und roter Hose hinter seinem E-Piano sitzt, schafft es, live genauso zu klingen wie auf CD.

Leider reproduziert Mendes dabei den schwelgenden Sound, den er sich in den Achtzigern zulegte. Insbesondere der japanische Keyboarder lässt klangliches Plastik regnen, von dem der umtriebige brasilianische Perkussionist zugedeckt wird und gegen das auch der Bassist aus Sri Lanka nicht ankommt. Gut gelaunt, souverän und hell hingegen: Mendes’ Frau Gracinha Leporace am Mikro mit ihren zwei jungen amerikanischen Mitstreiterinnen. Wir sind eine Multikulti-Truppe, sagt Mendes, der Harmoniesüchtige, dem alles Schroffe in der Seele wehtut.

Die Songauswahl konzentriert sich auf die Sechziger, als Mendes mit seiner Band Brasil ’66 weltberühmt wurde: die Ballade „The Look of Love“, der Karnevalskracher „Pais Tropical“, das Beatles-Cover „Fool on the Hill“. Alles schön, alles gut, alles glatt. Bewusst als Höhepunkt geplant, dann: „Mas que nada“, Mendes’ erfolgreichste Single, zu der der Rapper H2O seinen sehr verzichtbaren Beitrag leistet. Nach knapp zwei Stunden ist um 22 Uhr Schluss und auch das Aufsichtspersonal der Neuen Nationalgalerie, das penibel darauf achtete, dass niemand sich gegen die Metall-Skulpturen des Hauses lehnte, darf nach Hause gehen. Philipp Lichterbeck

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