Kirche : 144 katholische Theologen fordern Ende des Zölibats

In einer Erklärung fordern katholische Theologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz tiefgreifende Reformen ihrer Kirche. Sie treten für die Abschaffung des Pflichtzölibats ein und dafür, dass Frauen zum Priesteramt zugelassen werden.

In kaum einem Land wird der Zölibat so kritisch gesehen wie in Deutschland.
In kaum einem Land wird der Zölibat so kritisch gesehen wie in Deutschland.Foto: dpa

Acht Monate vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland wird der Ruf nach Reformen in der katholischen Kirche lauter. In einer Erklärung fordern 144 katholische Theologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz tiefgreifende Umwälzungen wie die Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester. Sie treten vor dem Hintergrund akuten Priestermangels zudem dafür ein, auch Frauen für das Amt zuzulassen.

Die Theologen fordern mehr Mitsprache des Kirchenvolks etwa bei der Ernennung neuer Bischöfe. Rund jeder dritte katholische Theologieprofessor unterschrieb die Erklärung, über die am Freitag zuerst als erster die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte.

"2011 muss ein Jahr des Aufbruchs für die Kirche werden", heißt es in dem Aufruf. "Die tiefe Krise unsere Kirche fordert, auch jene Probleme anzusprechen, die auf den ersten Blick nicht unmittelbar mit dem Missbrauchsskandal und seiner jahrzehntelangen Vertuschung zu tun haben."

Im vergangenen Jahr hätten so viele Christen wie nie zuvor der Institution Kirche den Rücken gekehrt. "Die Kirche muss diese Zeichen verstehen und selbst aus verknöcherten Strukturen ausziehen, um neue Lebenskraft und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen." Dem Sturm des letzten Jahres dürfe keine Ruhe folgen, heißt es mit Blick auf die Missbrauchsdebatte.

"Im wesentlichen geht es darum deutlich zu machen, dass die Kirche eine befreiende Botschaft zu verkünden hat, eine Botschaft, dass Menschen in Freiheit und Würde miteinander leben können", sagte einer der Unterzeichner der Erklärung, der Theologe Gerhard Kruip von Universität Mainz, der Nachrichtenagentur dpa. Nötig sei eine größere Gewissensfreiheit in moralischen Fragen. "Wenn homosexuelle Partner in Verantwortung und Liebe miteinander leben, dann gibt es keinen vernünftigen moralischen Grund, das als Sünde zu bezeichnen und die Menschen auszugrenzen." (dpa)

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