Kirche : Erzbistum Berlin befürchtet Flop beim Papstbesuch

In der katholischen Kirche mehren sich die Bedenken, der Papst könnte bei seinem Besuch in Berlin nicht genügend Zuschauer anlocken. Deswegen soll es lieber keine große öffentliche Messe geben.

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Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Santiago de Compostela im November 2010.
Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Santiago de Compostela im November 2010.Foto: dpa

Die Organisatoren befürchten auch, mit einer öffentlichen Messe Papstgegnern ein großes Forum zu geben und das Kirchenoberhaupt womöglich nicht vor unangenehmen Situationen schützen zu können. Kardinal Georg Sterzinsky bevorzuge einen Gottesdienst in der Gedenkkirche Regina Martyrum neben der Gedenkstätte Plötzensee, hieß es. Dort werden die Opfer des Nazi-Regimes geehrt, unter anderem die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. In der Kirche könnten nur ein paar hundert Gäste mitfeiern.

Der Papst wird als Staatsgast am 22. und 23. September in der Hauptstadt erwartet – ein Donnerstag und Freitag. Aus dem bischöflichen Ordinariat hieß es, es werde nicht leicht sein, an einem Arbeitstag große Menschenmassen dazu zu bringen, eine Papstmesse zu besuchen. Johannes Paul II. hatte bei seinem Berlin-Besuch 1996 eine Messe im Olympiastadion gefeiert. Die Ränge seien damals nur deshalb annähernd voll gewesen, weil viele Polen angereist seien, um „ihren“ Papst zu erleben. Auch eine andere Szene mag dem heutigen Papst noch vor Augen stehen: Das Papamobil wurde in Berlin damals mit Tomaten beworfen. Joseph Ratzinger begleitete seinen Amtsvorgänger. Gut möglich, dass er sich eine Wiederholung der Szene ersparen möchte.

Das offizielle Berlin gibt sich derweil optimistisch: „Ich freue mich, dass der Papst Berlin besucht. Das ist ein gutes Zeichen für die Hauptstadt. Er ist hier herzlich willkommen“, sagte der Regierende Bürgermeister und Katholik Klaus Wowereit am Dienstag. Der Berliner CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel erwartet sich vom Papstbesuch „Orientierung und neue Impulse für die Religion“. Berlin sei ein Ort, an dem das Religiöse immer weniger Aufmerksamkeit bekomme. Henkel, bekennender Katholik, will an allen öffentlichen Stationen des Papstbesuches teilnehmen. Für eine öffentliche Messe schlug er das Tempelhofer Feld oder das Olympiastadion vor.

Die Spitzenkandidatin der Grünen für Berlin, Renate Künast, sagte, sie freue sich, wenn wichtige Persönlichkeiten wie der Papst Berlin besuchten. „Vielen Berlinerinnen und Berlinern bedeutet so ein Besuch sehr viel. Viele von uns erwarten, dass der Papst seinen Besuch mit einer Botschaft verbindet – gerade in unserer Stadt, in der so viele Kulturen und Religionen zusammenleben“, sagte Künast.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), wünscht sich vom Papst ein „klares Bekenntnis, dass jeder Mensch, egal welcher Minderheit er angehört, ein Kind Gottes ist. Die Würde jedes Einzelnen muss geschützt werden“. Die Kirche habe als „Global Player“ eine große Verantwortung bei der Umsetzung von Menschenrechten weltweit.

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband kündigte Proteste gegen den Papstbesuch an, „es sei denn, der Papst findet klare Worte, dass Homosexualität keine Sünde ist“, sagte eine Sprecherin. Sie kritisierte, dass die katholische Kirche „jahrzehntelang sexuellen Missbrauch vertuscht hat“. Eine Zusammenkunft mit Missbrauchsopfern, wie zuletzt beim Papstbesuch auf Malta, ist bisher nicht geplant. „Wir würden den Papst gerne treffen“, sagte Matthias Katsch von der Opfer-Initiative Eckiger Tisch, die frühere Schüler von Jesuiten-Schulen vertritt. Katsch regte außerdem an: Wenn der Bundestag den Papst empfange, dann sollten die Abgeordneten zuvor Opfer von sexuellem Missbrauch und ehemalige Heimkinder empfangen. „Das wäre eine wichtige Geste der Anerkennung, ein Zeichen, dass der Bundestag auf der Seite der Opfer steht.“

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