Kultur : "Glauben ist alles": Das wilde Schäfchen - eine Komödie von und mit Edward Norton

Jörg Königsdorf

Keine Sorge, auch gläubige Menschen können sich in diesen Film wagen. Denn "Glauben ist alles" ist zwar eine Komödie mit zwei Priestern, aber alle gezeigten Kleriker sind garantiert sympathisch, alle Witze tragen das Unbedenklichkeits-Zertifikat der Glaubenskongregation und selbst die Sex-Szenen werden locker von jeder Bibel-Verfilmung übertrumpft. Dennoch ist "Glauben ist alles" keineswegs langweilig oder peinlich, sondern eine über weite Strecken witzige Beziehungskomödie, der es gelingt, die abgedroschene "Jules und Jim"-Konstellation akzeptabel wiederaufzufrischen.

Das Besondere ist diesmal das Setting: Die beiden Freunde, die sich in die gleiche Frau verlieben, sind Geistliche - beides ehrgeizige junge Glaubensunternehmer, die mit unkonventionellen Entertainment-Methoden frischen Wind in ihre verschnarchten Gemeinden bringen. Der eine (Edward Norton, Regisseur und Hauptdarsteller) ein irischstämmiger Katholik, der andere (als Filmkasper vom Dienst: Ben Stiller) Rabbiner. Dass die beiden trotzdem dicke Freunde von Kindesbeinen an sind, ist zugleich ein kaum verhohlener Hymnus an New York, die Stadt des Leben-und-Leben-Lassens, deren Geist schon gleich zu Beginn mit Wolkenkratzer-Skylines beschworen wird. Auch beider gemeinsame Jugendfreundin (Jenna Elfman) ist zur erfolgreichen Business-Woman herangereift und sieht noch dazu aus wie ein Esprit-Model.

Doch das schafft nur kurzzeitig Probleme im Beziehungsgefüge. Nicht einmal der Sinn des Zölibats wird ernstlich in Frage gestellt oder gar verspottet. Die Nöte des zweifelnden Priesters löst ein weiser Glaubensbruder flugs in Weihrauch auf - Glauben ist in diesem Film tatsächlich alles, Happy End mit Gruppenbild inklusive. So lebt der Film vor allem von hübschen Einzelgags und dem Touch Melancholie, mit dem Edward Norton seinem trinkfesten irischen Katholiken Charakter gibt. Notorische Atheisten gehen sowieso lieber zu Achternbusch und Almodóvar.

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