Kultur : Gleißende Glut - Musizieren mit dem BSO, Britten und Mahler

Eckart Schwinger

Ein Frühwerk von Britten und ein Spätwerk von Mahler stellte David Shallon in seinem BSO-Konzert im Konzerthaus auf so informative wie spannungsvolle Weise gegenüber: Beide Werke entfalteten dabei ihr ganz eigenes Profil dank des feinen Klanggespürs, der zupackenden Präzision des israelischen Gastdirigenten. Da konnte keine Rede davon sein, dass es sich bei Brittens Sinfonia da Requiem lediglich um ein sinfonisches Gesellenstück und bei Mahlers Lied von der Erde nur um ein resignatives Werk des Abschieds handelt. Gerade bei Britten brachte Shallon mit dem deklamatorisch eindringlich musizierenden Berliner Sinfonie-Orchester den Nachweis, dass es sich bei der Sinfonie des 27-Jährigen um einen kühnen Vorgriff auf das über zwei Jahrzehnte später entstandene War Requiem handelt. Lacrymosa und Dies irae erklangen in einer furiosen Expressivität und zermalmenden Härte, wie man sie bei Britten selten zu hören bekommt. Um so ergreifender schwebte das aufgehellte, wiegenliedartige Requiem aeternam durch den Raum.

Bei Mahler beeindruckten nicht nur der expressive Spannungsbogen, den Shallon mit dem BSO über das gesamte Werk zog, sondern bei aller klanglichen Glut gerade auch der ausgreifende, ruhige Ausdrucksstil. Aber auch die schon zukunftsträchtige Seite an Mahlers Lied von der Erde wurde mit gemeißelt klarer Intensität zu Tage gefördert. Nur weniges geriet klangtechnisch an gewisse Grenzen oder wies kleine Unschärfen auf. Beide Solisten setzten auf einen modern nuancierten, geschmackvollen Gesangsstil. Die Mezzosopranistin Petra Lang sang mit sehr intelligent geführter, schlanker Stimme und flexibler Ausdrucksfähigkeit. Keith Lewis bewältigte die stimmmörderische Tenorpartie mit kantabler Eleganz und dezenter Eloquenz.Noch einmal heute, 20 Uhr

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