• Globalisierung: Die Konferenzmaschinen - Welche Institutionen sich weltweit um Arm und Reich kümmern

Kultur : Globalisierung: Die Konferenzmaschinen - Welche Institutionen sich weltweit um Arm und Reich kümmern

Flora Wisdorff

Weltwirtschaftsforum: Im Jahr 1971 lud der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab zum ersten Mal eine Gruppe von Managern in den malerischen Schweizer Skiort Davos ein. "European Management Forum" nannte er das informelle Treffen auf den Pisten und in den Bars von Graubünden damals. Gerade mal 150 Manager kamen. Aber es wurden mehr. Von Jahr zu Jahr. Das Treffen wandelte sich von einem exklusiven Meeting im kleinen Kreis zu einer Konferenzmaschine mit halboffiziellem Charakter. Zwischen 3000 und 5000 Teilnehmer, Spitzenmanager, Spitzenpolitiker kamen zuletzt nach Davos. Die Treffen sind hochpolitisch - was auch die Gegner des freien Welthandels mobilisierte. Tausende von Polizisten mussten das Forum 2001 schützen, die halbe Schweiz befand sich im Belagerungszustand. Schon damals hieß es, dass Klaus Schwab nach einem neuen Veranstaltungsort Ausschau halte. Er hat ihn gefunden: New York.

World Trade Organisation (WTO): Die WTO und ihre 144 Mitglieder versuchen, Hemmnisse im freien Welthandel abzubauen. Im Gegensatz zum Weltwirtschaftsforum ist die WTO eine offizielle Institution der internationalen Staatengemeinschaft, deren Mitglieder vereinbart haben, Zölle, Subventionen oder andere Handelshemmnisse abzubauen. Vergangene Woche läuteten die Mitglieder die neunte Handelsrunde ein. Das ist ein Verhandlungsmarathon, in dem die reichen und die armen, die Industrie- und die Entwicklungsländer, die USA und Europa nach einem Ausgleich der unterschiedlichen Interessen suchen. Die Arbeit der WTO und ihrer Vorgängerorganisationen hat dazu geführt, dass die Zölle auf einen Bruchteil ihres früheren Niveaus sanken. Die WTO tritt bei Handelskonflikten als Schlichter auf.

IWF und Weltbank: Für die internationalen Finanzbeziehungen sind diese beiden Institutionen zuständig, die im Juli 1944 auf der Währungskonferenz von Bretton Woods an der ostamerikanischen Küste gegründet wurden. Beide Gremien sind den UN als Sonderorganisationen angegliedert. Der IWF soll internationale Zahlungs- und Finanzströme kontrollieren und so wirtschaftliche Störungen frühzeitig erkennen und vermeiden. Er stellt Mitgliedern bei Bedarf Kredite bereit - gegen Zusage von Reformprogrammen. Der IWF verfügt über ein Eigenkapital, das er aus den Zahlungen der Mitglieder erhält. Die Weltbank vergibt langfristige, projektbezogene Kredite, um das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern zu fördern. Bedingung sind auch hier Reformen. Die Bank finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Kreditaufnahme an den Kapitalmärkten. Die Bedingung, dass es Geld nur gegen Reformen gibt, hat die Globalisierungskritiker gegen beide Banken aufgebracht. Sie meinen, dass IWF und Weltbank die Eigentumsverhältnisse in der Welt zementieren, anstatt für einen Ausgleich zu sorgen.

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