Globe-Verleihung : Rennen um Oscars bleibt offen

Die Vergabe der Golden Globas mag 2007 nicht recht als Indikator für die begehrten Oscars gelten; dafür war kein prämierter Film dominant genug.

Beverly Hills - Es gab viele Gewinner, aber keinen ganz großen Sieger: Bei der Verleihung der Golden Globes konnte keiner der prämierten Filme so abräumen, dass er als klarer Favorit in das Rennen um die Oscars am 25. Februar geht. Die Entscheidung bleibt deshalb bis zum Schluss spannend.

Den prestigeträchtigsten Globe für das beste Kinodrama heimste in der Nacht im kalifornischen Beverly Hills das bildgewaltige Gesellschaftsdrama "Babel" ein. Regisseur Alejandro González Iñárritu aus Mexiko bekam den Preis von Landesvater und Ex-Schauspieler Arnold Schwarzenegger ("Governator") höchstpersönlich überreicht - und mochte sich eine Spitze auf die harte Linie der Konservativen bei der Zuwanderung nicht verkneifen. "Ich schwöre, meine Papiere sind in Ordnung, Governor, ich schwöre."

Iñárritu sieht Globe als Auszeichnung für Mexikos Filmindustrie

Mit der Entscheidung für "Babel" hat Hollywoods Auslandspresse ein Signal gesetzt. Denn die kunstvoll verschränkte Parabel über die Sprachlosigkeit der globalisierten Welt ist nicht gerade ein Kassenknüller. Von der Kritik hochgelobt, hat die auf drei Kontinenten spielende Familiengeschichte bisher in den USA gerade mal 21 Millionen Dollar (etwa 16 Millionen Euro) eingebracht. Regisseur Iñárritu sieht die Auszeichnung auch als Ermutigung für die mexikanische Filmindustrie. "Die Kraft des Kinos ist weltumspannend", sagt er.

Bei den Oscars, dem ehrwürdigen großen Bruder der Golden Globes, wird das düstere "Babel" harte Konkurrenz von dem beschwingten Musikfilm "Dreamgirls" bekommen. Die mitreißende Geschichte über den Aufstieg und Fall einer schwarzen Mädchenband wurde bei der Globe-Verleihung gleich dreifach bedacht, unter anderem in der Kategorie bestes Musical.

"Departed" schneidet überraschend schlecht ab

Überraschend kurz kam dafür der brilliante Mafiathriller "The Departed - Unter Feinden" von Altmeister Martin Scorsese. Trotz der hochkarätigen Besetzung mit Jack Nicholson, Matt Damon und Leonardo DiCaprio gab es "nur" einen Globe für die Regie. Dabei war der blutgetränkte Spitzenstreifen erst vergangene Woche von den US-Kritikern zum wichtigsten Film des Jahres erklärt worden.

Scorsese, angetan mit seiner dicken schwarzen Hornbrille, bekam auch bei der "fröhlichsten Preisgala Hollywoods" einen besonderen Applaus. Trotz der notorischen Enge im Ballsaal des Beverly Hilton Hotels standen die Großen der Branche gemeinsam zum Klatschen für ihn auf. Der 64-Jährige dürfte bei den Oscars ebenfalls an vorderster Front mit von der Partie sein. Denn bisher war er immer wieder nominiert worden, ohne die begehrteste Trophäe der Filmwelt je zu erhalten.

Wie groß der Einfluss der Golden Globes als Türöffner für die Oscars ist, weiß ohnedies niemand genau. Oft genug war der Gewinner hier auch da erfolgreich, etwa bei "Shakespeare in Love", "American Beauty" oder "Chicago". Im vergangenen Jahr aber beispielsweise hatte der ganz heiße Favorit - der mit vier Globes ausgezeichnete Schwulen-Western "Brokeback Mountain" - bei der Oscar-Verleihung das Nachsehen. Überraschungssieger wurde "L.A. Crash", ein Drama über die Rassendiskriminierung in Los Angeles.

Klima in Kinobranche wieder besser

Sicher ist jedenfalls eines: Die Preisverleihungen finden dieses Jahr wieder in einem etwas zuversichtlicheren Klima statt. Die Einnahmen an den Kinokassen sind nach einem trüben 2005 im vergangenen Jahr wieder um fünf Prozent gestiegen. "Was funktioniert hat, war die klassische Schalt-von-allem-ab-Unterhaltung", zitierte die "New York Times" den Vertriebsmanager von Paramount's, Rob Moore.

Dazu zählen die Amerikaner mit einem fast masochistischen Vergnügen auch die umstrittene Filmsatire "Borat", in der sie selbst kräftig auf die Schippe genommen werden. Der britische Macher Sacha Baron Cohen, mit dem Golden Globe als bester Komödien-Schauspieler geehrt, versorgte das handverlesene Publikum und die Millionen an den Fernsehschirmen mit unbekannten Details aus seinem Fäkalleben, ehe er sich schließlich mit einem Seitenhieb auf die vielen juristischen Verfahren gegen seinen Film verabschiedete. "Wir wollen jedem in Amerika danken, der sich entschlossen hat, uns nicht zu verklagen." (tso/dpa)

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