Glosse zum "Young Euro Classic"-Festival : Auf ins Konzert!

Popmusikfans gehen "auf ein Konzert", Klassikliebhaber "in ein Konzert" - persönliche Vorlieben zeigen sich hier schon in der Sprache. Beim "Young Euro Classic"-Festival aber versöhnen sich die Gegensätze

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Michael Sanderling dirigiert das Young Philharmonic Orchestra Jerusalem Weimar
Michael Sanderling dirigiert das Young Philharmonic Orchestra Jerusalem WeimarFoto: promo, Young Euro Classic

Achten Sie mal darauf, wenn Freunde Ihnen von Live-Kulturerlebnissen berichten: Menschen, die zu Pop- und Rockbands in die Clubs und Stadien pilgern, sagen: „Ich gehe auf ein Konzert“. Menschen, die es zur Philharmonie oder zu Schinkels Musentempel am Gendarmenmarkt zieht, sagen: „Ich gehe in ein Konzert“. Nun ist es ja in der Tat so, dass man bei Klassikveranstaltungen stets in Reih und Glied sitzt, während man bei Events mit E-Gitarren und elektronischer Verstärkung zumeist auf den Beinen ist. Aber natürlich handelt es sich bei der Unterscheidung nicht um eine logische Trennung, sonder nur um eine gesellschaftliche Verabredung.

Sprache ist arbiträr, das heißt, mit welcher Lautkombination ein Gegenstand bezeichnet wird, ist durch kein Naturgesetz festgelegt. Jeder Sprecher kann grundsätzlich frei wählen, wie er was benennt. Darum heiß ein und derselbe Apfel in verschiedenen Sprachen pomme, apple oder mela. Jede zwischenmenschliche Kommunikation beruht also auf Konventionen. Wenn die einen „in“ ein Konzert gehen und die anderen „auf“, dann steckt dahinter eine feine soziale Abgrenzung. Eine Sinfonie oder eine Oper können selbstverständlich auch auf-regend sein, ein Song in-nerlich anrührend. Aber dass die Präpositionen hier in der Praxis von beiden Fraktionen als Mittel der Distinktion genutzt werden, lässt sich nicht wegdiskutieren, nicht mal von jenen, die eine Trennung der Musik in U und E für Quatsch halten.

Einmal im Jahr allerdings versöhnen sich die Gegensätze: beim „Young Euro Classic“-Festival nämlich. Das holt seit dem Jahr 2000 internationale Nachwuchsensembles nach Berlin und kann nach einem renovierungsbedingten Exil-Sommer diesmal wieder an gewohntem Ort stattfinden, im Konzerthaus. Am heutigen Donnerstag geht’s los, bis zum 23. August werden Ensembles aus allen Ecken der Welt erwartet, aus old europe ebenso wie aus Zentralasien, der Türkei , Israel oder China, insgesamt treten fast 1500 junge Musiker auf.

Eine so euphorisierende Mischung aus Partystimmung und hochkonzentriertem Zuhören wie bei „Young Euro Classic“ kann man selbst in der überreichen hauptstädtischen Kulturszene sonst nirgendwo erleben. Hier mischen sich auf einmalige Weise die Zielgruppen, hier steigert die entspannte Atmosphäre noch die Lust auf eine tiefe Versenkung in die Musik. In diesem Sinne: Auf ins Konzert!

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