Kultur : Glück der Schabracken

COMEDY

Franziska Richter

„Im Jahr sterben Hunderttausende von Leuten in Kriegen – du nicht!“ So ungefähr würde der Comedian Hans Werner Olm einem Freund zum Geburtstag gratulieren. Zur Zeit allerdings ist er der Jubilar. Seit 25 Jahren steht der Sprücheklopfer auf der Bühne – bekannt geworden ist er vor allem durch seine RTL-Sendung „Olm!“. „Ich freu’ mich so!“ heißt nun sein Programm in den Wühlmäus en – angesichts von Zahnersatzdebatten und Rentenkrieg sehr viel versprechend (bis 31. August, 20 Uhr)! Doch funktioniert Olms Humor dann doch nur nach dem Prinzip Masse statt Klasse. Ejakulation und Masturbation verkaufen sich bestens: Zum Beispiel lässt er sein zweites Ich, die miesepetrige Krawall-Frau Luise Koschinsky beim Salamikauf auf die Frage „Am Stück oder geschnitten?“ sagen: „Im Stück! Ich hab immer noch ’ne Muschi und keinen CD-Wechsler.“ Und ist es nicht ein bisschen einfallslos, für eine Jubiläums-Show in die Mottenkiste zu greifen und alte TV-Sketche an die Wand zu werfen? Die Rolle des Stand-up-Comedian steht Olm schon besser – etwa wenn er sich an DDR-Wurstwaren erinnert: „Da dachte ich immer, ich bin in einem Fliesengeschäft.“ Oder das Lied vom schwarzen Afghanen anstimmt: „Steig mit in die Taliban und lass’ uns dann nach Bali fahr’n. Und wenn was explodiert, dann sind wir schon zu viert!“ Schade nur, dass dieses, Olms eigentliches Potenzial, so kurz kommt. Man würde sich gewiss mehr auf seine nächsten 25 Jahre freuen, wenn es nicht bei kurzen Lachern bleiben würde.

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