Kultur : Glück des Fernsehens - Soap-Doku von Uli Gaulke

Carla Rhode

Ist dieser Film eine Liebeserklärung an die Stadt Havanna, an die Menschen, an das Leben dort? Der Titel suggeriert das ja, aber was sehen wir? Für seinen Dokumentarfilm hat sich Uli Gaulke in den Armenvierteln umgesehen, wo man in schäbigen Behausungen wohnt, notdürftig möbliert, eng, oft ohne Wasser, ohne Heizung. Die meisten Menschen haben keinen Job, wer einen hat, muss hart arbeiten, ist abends müde und ausgelaugt. So erklärt sich, dass Fernsehen die einzige Unterhaltung ist, ganz selbstverständlich wird jede neue Folge einer kubanischen Telenovela eingeschaltet. Gebannt sitzt man vor dem Bildschirm und kommentiert die Filme sogar durchaus nicht unkritisch, aber "was sollen wir denn sonst tun, so vergeht wenigstens die Zeit!"

Behutsam folgt Gaulke einigen Personen, einer Friseuse, einer jungen Arbeitslosen, einem Fernsehtechniker, und bringt sie scheinbar mühelos zum Sprechen. Unbefangen, spontan und wortreich äußern sie sich zu ihrer Lebenssituation, zu Liebe, Ehe, Scheidung und neuen Beziehungen. Das sind spannende Geschichten, viel dramatischer als die soaps aus dem Fernseher, sehr witzig werden hier Filmausschnitte mit der Realität konfrontiert. Jeder sehnt sich danach, dass die Spielfilme glaubwürdiger, nachvollziehbarer sind, trotzdem sitzt man stundenlang mit einer Flasche Rum oder Bier vor den Geräten, und wehe, wenn sie kaputt gehen. Als running gag werden immer wieder Fernsehgeräte sowjetischer Bauart auf Fahrrädern, Schubkarren oder per Hand durch die Strassen zur Reparatur befördert, denn niemand will sie entbehren.

Ist dieser Film eine Liebeserklärung? An die Lebensbedingungen in Havanna jedenfalls nicht, sie sind hart, und der Blick eben noch so fröhlich erzählender Menschen wird traurig. Entsprechend klein gehalten sind ihre Träume, mehr Komfort, vielleicht mal ein neuer Fernseher... Nach anderen Lebensinhalten werden hier keine Fragen gestellt, da hätte man gerne mehr erfahren. Was sich aber mitteilt, ist ein großer, unerschütterlicher Lebensmut - also doch eine Liebeserklärung?Heute, 12.45 Uhr (CinemaxX 3), 19 Uhr (Delphi), morgen, 11.30 (CineStar), 19 Uhr (Babylon), 19.30 Uhr (Arsenal)

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