Kultur : Glück im Spiel

„Lose with English“: Ein Film von Bright Blue Gorilla

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Am Ende des Films läuft eine Aufforderung über die Leinwand: „Geh und führe ein produktives Leben.“ Eines, wie es die zwei Filmemacher Robyn Rosenkrantz und Michael Glover führen. Sie mögen Aussteiger sein. Vor zwanzig Jahren haben sie in Los Angeles Hab und Gut verkauft und sind nach Amsterdam geflogen. Seitdem reisen sie. Das Selbstmarketing beherrschen sie perfekt. Sie nennen sich „Bright Blue Gorilla“. Vor dem Kino bekommt der Besucher Flyer ihres Films in die Hand gedrückt. Er wird aufgefordert, sich in eine Liste einzutragen, um für eine kleine Rolle im nächsten Film ausgelost zu werden. „You can be a star“-Contest heißt das Gewinnspiel.

So einfach kann es gehen, ohne Produktionsfirma und Plattenvertrag. Das ist auch die Botschaft ihrer Filme. Bright Blue Gorilla fühlt sich in Europa zwar wohl, den amerikanischen Traum hat das Paar aber nicht vergessen. Es erzählt von Verlierern und kleinen Leuten, die mithilfe von Freunden und ein bisschen Schlitzohrigkeit das große Glück finden. Das vierte Werk, „Lose with English“, hatte im Berliner Babylon nun Premiere.

Der Plot ist schnell erzählt: English Jones ist tief gesunken. Einst hatte er eine Abnehm-Show im US-Fernsehen. Jetzt ist die Mafia hinter ihm her und das Inkassounternehmen „Tugend“. Er arbeitet als Pizzabote. Am Ende wird English Jones mit einem normalen Kissen, das er als Fitnessgerät preist, weil man darüber springen kann, wieder erfolgreich. Die Mafiosi werden geschnappt, das FBI steckte hinter der Pizzeria.

Gebaut ist das Ganze mit den Zutaten einer Screwball-Komödie, es gibt Verwechslungen und Verfolgungsjagden, Slapstick und Seitenhiebe auf Hollywood und den Fitnesswahn. Weil sie keine Drehgenehmigung für ein Einkaufzentrum hatten, drehte Michael Glover mit versteckter Kamera im Rucksack. Das elegante Haus eines Professors durfte die Bright-Blue-Gorilla-Crew nutzen, weil sie im Gegenzug die Katzen hütete, während der Besitzer im Urlaub war. In Berlin hat sich das Paar für fünf Monate eine Wohnung gemietet, um den Film zu schneiden; er wurde vor wenigen Tagen fertig. Kerstin Kaernbach von den 17 Hippies spielt die Geige im Soundtrack ein.

Sympathisch ist das Handgemachte an den kruden Storys, herzerwärmend die beiden Künstler. Vor dem Film geben sie Konzerte, bessere Musiker als Filmemacher sind sie allemal. Singer-Songwriter-Pop mit klugen Texten über Stereotypen. Auch hier der Botschaft: Das Leben ist schön. An das Publikum werden Rasseln verteilt; es wird mitgesungen. Bob Dylan soll ihnen eine magische Trommel vermacht haben, erzählt Michael Glover. Er hält sie in die Höhe, der Schlegel baumelt wie ein hypnotisierendes Pendel vor den Augen der Zuschauer. So funktioniert der Witz der Filme.Anna Pataczek

Babylon Mitte: 30. 10, 19 Uhr, 31. 10., 18 Uhr, 1. 11., 19.30, 3. 11., 20 Uhr.

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