Kultur : Glückliches Spanien

Schulfrei für die Messe: Madrid im Arco-Fieber

Roland Gross

In Madrid ist der Frühling bereits angekommen – und am Arco-Freitag haben selbst die Schulkinder frei, nachdem der König höchstpersönlich am Vorabend die spanische Kunstmesse für ihre 280 Teilnehmer und geladenes Publikum eröffnet hat. Die 1982 gegründete Arco mit ihrem Fokus auf internationaler zeitgenössischer Kunst gehört längst zum nationalen Kulturgut der Nach-Franco-Ära. Und der EU-Beitritt hat den Kunstmarkt-Boom in Spanien noch einmal befeuert. Die im kommenden Jahr ausscheidende Direktorin Rosina Gomez-Baeza wies zur Eröffnung dann auch darauf hin, dass der Kunstmarkt in Spanien auf den dritten Platz im Investitionsbereich gestiegen ist. Vor dem Hintergrund zahlreicher neuer Museumsgründungen, Stiftungen und steigender Wirtschaftsdaten wird nun auch von öffentlicher Hand kräftig eingekauft, zudem ist die Arco finanziell von Stadt und Land getragen. Im Vergleich mit der Situation der Kunstmessen in Deutschland, wo gleich mehrere miteinander konkurrieren, darf man wohl getrost behaupten: glückliches Spanien.

Entsprechend euphorisch war bereits am Vor-Eröffnungstag die Stimmung unter den in Massen strömenden Gästen – die unglaubliche Gesamt-Besucherzahl liegt nach fünf Tagen in der Regel bei 200 000. Naturgemäß sind auch in diesem Jahr die spanischen Händler mit 90 Teilnehmern besonders stark vertreten, doch auch der lateinamerikanische Markt verstärkt seine Präsenz. Während hier kaum Malerei ins Auge sticht, sind die Offerten aus Deutschland besonders gefragt: Gleich in den ersten Stunden kann Michael Schultz aus Berlin eine großformatige Arbeit der in Berlin lebenden Koreanerin Seo an das Kunstmuseum Santander verkaufen (20 000 Euro). Auch Nothelfer aus Berlin war zum Auftakt mit Arbeiten Sonderborgs, Vedovas und Thomas Hartmanns erfolgreich.

Überzeugend präsentiert sich Gastland Österreich mit mehr als 20 Galerien: Bei Ursula Krinzinger aus Wien gibt es etwa reges Interesse an den Objekten von Erwin Wurm. Ropac aus Salzburg kann zwei Skulpturen, von Tony Cragg und Antony Gormley (120 000 Euro/ 170 000 Pfund) in einer koreanischen Museumssammlung platzieren.

Die Galeristin Bärbel Grässlin aus Frankfurt ist unter anderem mit zwei Förg-Fotos für je 50 000 Euro erfolgreich, die in junge spanische Privat-Sammlungen gingen – ein Käuferpotenzial, das von Jahr zu Jahr wächst.Vielleicht zahlt es sich hier aus, dass die Arco mit all ihren Diskussionen, Begleitausstellungen und Besucherprogrammen schon lange mehr als eine reine Verkaufsveranstaltung für Kunst geworden ist.

Arco, bis 13. Februar (www.arcospain.com).

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