Kultur : Glückszahl 8

Bad Doberan spielt auf: Kunst zum Gipfel

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Der Bürgermeister von Bad Doberan hat sich heute die Hauptstadtkrawatte umgebunden: Auf dem Schlips von Hartmut Polzin wechseln sich rosa und rote Streifen munter ab; très chic, aber auch ein bisschen verrückt, denn so recht passen diese Farben ja nun nicht zusammen. Vielleicht dachte sich der erste Mann des Ostseebades, dass genau dieses Disparate zu Berlin passen würde – wilde ungezähmte Stadt, die sie ist. Es sei seine erste Pressekonferenz in der Hauptstadt, teilt Polzin mit und zupft sich das Rosa-Rot an seinem Hals zurecht, vorne auf dem Podium im zweiten Stock der Akademie der Künste.

Dort geht es insgesamt ähnlich disparat zu wie auf Polzins Schlips. Eigentlich ist die Podiumsmannschaft angetreten, um „Balance!“ vorzustellen. Klingt zunächst wie ein garantiert linksdrehender probiotischer Joghurt-Drink mit Maracuja-Geschmack, ist es aber nicht. Hat nämlich etwas mit Heiligendamm und dem G-8-Gipfel zu tun. Und mit Kunst. Und mit einer Acht, die Alexander Ochs, Galerist und Organisator von „Balance!“, und Ik-Joong Kang, ein koreanischer Künstler, eines Tages beschlossen hinzulegen. Und das nicht bloß aus einer Laune heraus: In Asien gelte die Acht als Glückszahl, erläutert Kang die kühne Tat, aber im Zusammenhang mit dem Gipfel sei an ihrem Wert zu zweifeln. Drehe man sie aber um 90 Grad, habe man wieder ein perfektes Symbol für das, was die Welt von heute brauche; ein Gleichgewicht zwischen zwei Polen, Ausgewogenheit zwischen Gestern und Heute – eben „Balance!“ auf Wellness-Deutsch.

Eigentlich sei „Balance!“ eine sehr einfache Idee, ergänzt Ochs und vor allem: Kein Aktionismus, kein Protest. Vielleicht denkt der Galerist dabei an „Art goes Heiligendamm“, eine andere Künstlerkombo. „Balance!“ solle kritische Begleitung sein, sagt Ochs. Hauptbegleiter innerhalb des Balance!-Teams ist Kang: Er hat 30 000 Bilder gesammelt, auf denen Kinder ihre Träume aufgemalt haben. In diesem Zusammenhang hat er auch Angela Merkel einen Brief geschrieben, mahnend, aber durchaus wohlwollend. Er hat sie ermuntert, sich supports zu holen, heißt das in der Ochs’schen Balance-Sprache. Glücklicher Polzin, der ein solches Projekt in seiner Stadt hat. Außer Kang werden noch weitere Künstler vetreten sein, und die Bewohner sollen auch eingebunden werden, irgendwie. Das könne was Großes werden, glaubt Hartmut Polzin. Als er sich noch einmal zu Wort meldet auf dem Podium, erinnert er an die 9 000 Biker, die am Muttertag eine geschlossene Ausfahrt in Doberan gemacht hätten. „Waren gar keine Rowdies, sondern ganz friedlich“, sagt er. Und deshalb freut er sich jetzt auf die Künstler. rik

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