Kultur : Glühwürmchen, flieg!

Architektur und Licht: Ein Preis würdigt gelungene Visionen

Falk Jaeger

Viele waren gekommen, zu viele für die Kongresshalle am Haus des Lehrers, die den Ansturm nicht fassen konnte. Die Vergabe des Architektur-Internet-Preises „Aus Licht“ war nur der eine Grund, der andere aber die Gelegenheit, das neu erstandene Gebäude, das Berliner Congress Center bbc am Alexanderplatz, erstmals wieder von innen zu erleben. Es ist das Verdienst des Architekten Kerk-Oliver Dahm, der das 1964 von Hermann Henselmann errichtete Ensemble aus einer überkuppelten Halle und Bürohochhaus mit der charakteristischen „Bauchbinde“, Walter Womackas Wandmosaik denkmalgerecht saniert hat.

Die Verbindung von Licht und Architektur bestimmten auch das Rahmenprogramm: der Künstler Olafur Eliasson präsentierte seine Licht-Spiele, der Vorarlberger Architekt Dietmar Eberle, kurzfristig aus New York eingeflogen, gab sich eher philosophischen Überlegungen hin. Der Lichtplaner Thorsten Braun berichtete dagegen recht kurzweilig darüber, wie man etwa einen blauen Raum orange erscheinen lassen kann oder wie man Nordlicht-Simulationen des Künstlers James Turrel linstalliert. Die Koolhaas-Partnerin Ellen van Loon war aus Rotterdam angereist, um ihre Dias von der Niederländischen Botschaft zu zeigen.

Der eigentliche Anlass, die Vergabe des Internet-Preises, enttäuschte dagegen. Vorgegeben waren zwölf Gebäude vom Pantheon in Rom über die Pariser Sainte Chapelle und das Krematorium Treptow bis zur Gläsernen Manufaktur in Dresden, bei denen „die vorgefundenen Prinzipien der Lichtführung modifiziert, überlagert, verstärkt oder umgekehrt“ werden sollten. Die Mehrzahl der Teilnehmer hatte sich das Pantheon vorgenommen. So auch Jennifer Kräutler aus Götzis, die mit ihrem Vorschlag, einen Ballon in die Kuppel zu hängen, der gleichzeitig Lichtquelle und Lichthindernis ist, den vierten Preis errang. Jan Hill, Grazyna Wilk und Jerzy Wilk aus Berlin (dritter Preis) füllen den Kuppelraum durch das Loch im Zenith mit Licht, das ab der Tagesmitte „wieder ausgegossen werden kann“, während die Vorhalle im Farbwechsel nach Art der Verkehrsampel erstrahlt.

Die Münchner Gruppe Ritz/Brunner/Helzel/Nicolaus (zweiter Preis) empfiehlt dagegen ein Kunsthappening, bei dem das Pantheon durch Kamerablitze kollektiv beleuchtet wird. Der Berliner Georg Bosch hatte sich Tadao Andos Azuma-Haus vorgenommen und ein vierstufiges Szenario für dessen nächtliche Beleuchtung entwickelt, womit er den ersten Preis (8000 Euro) errang. Sein amüsanter Vorschlag gipfelt darin, dass gegen Mitternacht die Gühwürmchen einfliegen und für entsprechende Illumination sorgen. Im Baunetz www.baunetz.de/Internetpreis wird man deren Flug in Kürze verfolgen können.

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