"Godzilla"-Remake : Auferstanden zum Ruinieren

Gareth Edwards' „Godzilla“ hinterlässt eine Spur der Zerstörung in Amerikas Städten und übt sich in Aktuellem: Der Film dockt geschickt an das neue Trauma der Reaktorkatastrophe von Fukushima an. Und beglückt zudem die Monster-Nostalgiker.

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Der animierte Godzilla erinnert in seiner Physis an die Gummi-Modelle der 1950er Jahre.
Der animierte Godzilla erinnert in seiner Physis an die Gummi-Modelle der 1950er Jahre.Foto: dpa

Wer in den 60ern oder 70ern Jahren in der westdeutschen Provinz seine ersten Kinoerfahrungen gemacht hat, ist um die Monstershow aus Japan kaum herumgekommen. Die Riesenechse Godzilla und ihre zahlreichen Verwandten bevölkerten die Sonntagnachmittagsvorstellungen in schmuddeligen Schachtelkinos, wo man auf kaugummiverklebten Sesseln mit wohligem Schauder die Städte zertrampelnden Giganten bei ihren destruktiven Leinwandabenteuern bestaunte.

Dabei hatte sich der Charakter des Urviechs im Laufe der Jahre verändert: War der erste „Godzilla“-Film aus dem Jahr 1954 noch eine düstere Aufarbeitung des japanischen Atombomben-Traumas und der Titelheld ein zerstörerisches Ungeheuer, so wurde Godzilla bald zum schlagkräftigen Beschützer der Menschheit gegen so sonderliche Kreaturen wie die Monsterschabe Megalon, die Riesenmotte Mothra oder den dreiköpfigen Drachen Ghidorah. Und selbst wenn man irgendwann ahnte, dass da Menschen in Monsterkostümen durch miniaturisierte Metropolen stapften, tat das dem Vergnügen kaum Abbruch – schließlich war das genau das, was man bei Papas Modelleisenbahn auch mal gern gemacht hätte.

Nach Emmerichs "Godzilla"-Flop macht das neue Remake vieles richtig

Irgendwann war die Popcorn-Karriere der Japanmonster aber vorbei. Spätestens mit dem Aufkommen tricktechnisch überzeugenderer Fantasywelten wie "Star Wars" hatten die Pappmachékulissen ausgedient. Auch der Subtext der atomaren Paranoia konnte in den 80ern nicht mehr glaubhaft vermittelt werden (was japanische Studios nicht daran hinderte, weiter Godzilla-Filme zu produzieren).

Nachdem Steven Spielbergs „Jurassic Park“ (1993) eine neue Generation von jugendlichen Kinobesuchern für Dinosaurier begeistern konnte, versuchte sich Roland Emmerich 1998 an einem Godzilla- Remake – und machte fast alles falsch. Nicht nur dass seine computeranimierte Riesenechse zu agil für ein 50-Meter-Biest war, auch Emmerichs Sympathie für das Militärische wirkte fehl am Platz.

2014, nachdem die Science-Fiction-Welt mit "Avatar" und 3-D in neue Sphären vorgestoßen ist, ist Godzilla erneut am Start. Und diesmal passt es wieder. Der Film dockt geschickt an das neue Trauma der Reaktorkatastrophe von Fukushima an, ohne das Thema allzu spekulativ auszuschlachten. Der brillante Vorspann deutet die pazifischen Atombombentests der Nachkriegsjahre als Versuch um, ein versehentlich gewecktes Urzeitmonster zu töten.

Fast 50 Jahre danach wird ein japanisches Atomkraftwerk durch Erdstöße zerstört. Bei dem Unglück verliert der Atomphysiker Brody (Bryan Cranston, Hauptdarsteller der Erfolgsserie "Breaking Bad") seine Frau (Juliette Binoche). 15 Jahre später ist er ein verbittertes Wrack, das nicht an die natürliche Ursache der Katastrophe glauben will. Mit seinem widerwilligen Sohn (Aaron Taylor-Johnson) dringt er in das verseuchte Gebiet ein – und entdeckt, dass die Sperrzone nur Tarnung für eine Geheimanlage ist, in der ein mysteriöses Monster-Ei untersucht wird. Aus dem schlüpft ein ekliges Rieseninsekt. Das erweist sich nicht nur als immun gegen das militärische Waffenarsenal und ist heißhungrig auf atomare Sprengköpfe, sondern macht sich auch gen San Francisco auf, um sich dort mit seinem aus der Gegenrichtung heranstampfenden weiblichen Widerpart zu paaren. Gar nicht gut.

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