Goethe-Institut Beirut : Fußballdiplomatie und Elektro-Pop

Das Goethe-Institut Beirut bringt syrische und libanesische Kinder in einem langen Fußballturnier zusammen.

Jorn de Cock
Fußball vereint. Mit Unicef veranstaltet das Goethe-Institut Beirut ein syrisch-libanesisches Turnier.
Fußball vereint. Mit Unicef veranstaltet das Goethe-Institut Beirut ein syrisch-libanesisches Turnier.Foto: UNICEF/Hoops

„Eine intensive Kreativität, ein exzellentes Partnerumfeld und stets eine gesunde Portion Wahnsinn“, so beschreibt Mani Pournaghi (33) seinen neuen Standort. Obwohl er erst im vergangenen Herbst von Brüssel nach Beirut umgezogen ist, hat der neue Direktor des Goethe-Institutes in Libanon schon einen arbeitsreichen Kulturfrühling. Vor zwei Wochen hat Pournaghi das Beiruter Irtijal-Festival für experimentelle Musik im Medinatheater der libanesischen Hauptstadt eröffnet, wobei die Stuttgarter Neue Vocalsolisten im Stil ihrer „Kammermusiktheater“ eine Ode an den Levantiner Hummus (Kichererbstenpaste) sangen, und der deutsche Jazz-Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer mit dem libanesischen Top DJ Rabih Beaini zusammenspielte. Dieses Wochenende fährt der „BeirutBerlinExpress“ los, „ein Projekt, das junge Nachwuchsproduzenten aus dem Bereich der elektronischen Beiruter Musikszene mit ihren deutschen Counterparts zusammenbringt“, so Pournaghi. „Am Ende steht eine deutsch-libanesische Koproduktion, die bei einem Live Abschlusskonzert in Beirut Premiere feiern wird.“

Der kleine Libanon ist zwar keine politische Großmacht und die häuserhohen Müllberge im ganzen Land zeigten im Vorjahr, wie dysfunktional die widerstrebende libanesische Demokratie oft ist. Deutschland hat auch keine starken traditionellen Beziehungen zu dem „Land der Zedern“ . Aber im Umfeld einer tiefen regionalen Krise mit globalen Nebenwirkungen haben auch deutsche Organisationen Libanon wiederentdeckt als einen kreativen Standort mit Zukunft.

„Musiktendenzen und künstlerische Ideen verbreiten sich von Beirut aus weit über die arabischen Nachbarländer hinaus bis nach Europa und weiter“, sagt Goethe-Direktor Pournaghi. „Als relativer Newcomer in Beirut bin ich überwältigt von der Energie der Stadt und der einzigartigen Kulturszene. Wir versuchen, wenn man so will, hier Sprachvermittler, Horizonterweiterer, Kulturbotschafter und Impulsgeber zugleich zu sein.“

Oben in der libanesischen Bekaa-Hochebene, nahe der syrischen Grenze, erschallt in den meist improvisierten Flüchtlingslagern kein Berliner Techno. Hier überlebt ein Großteil der 1,5 Millionen syrischen Kriegsflüchtlingen in Libanon, der selbst nur eine Gesamtbevölkerung von etwa vier Millionen aufweist.

"In unserer Region ist Fußball eine positive Kraft", sagt Hiba Jaafil

„Deutschland hat in Europa eine besondere historische und humanitäre Verantwortung für die syrischen Flüchtlinge übernommen“, sagt Raymond Tarabay, Humanitarian Aid Officer an der Deutschen Botschaft in Beirut. „Das bedeutet auch, dass wir uns um die zahlreichen Flüchtlinge kümmern, die hier in der Region bleiben wollen. Dabei ist nicht nur Nothilfe angesagt, wir investieren in Bildung und versuchen auch, zu dem sozialen Zusammenhalt in Libanon mit kreativen Projekten beizutragen.“

Zum Beispiel: Viele syrische Flüchtlingskinder können im überlasteten libanesischen Bildungssystem nur nachmittags zur Schule. Vormittags werden dieselben Schulbänke von libanesischen Kindern besetzt . „Deutschland hat als regierender Weltmeister ein sehr positives Image im fußballverrückten Nahen Osten“, sagt Tarabay. „Diesen Ruf wollen wir jetzt anwenden, um die syrischen und libanesischen Kinder, die nebeneinander leben, aber sich selten treffen, auf einem Fußballfeld zusammenzubringen.“ So hat vorige Woche, unterstützt von der deutschen Diplomatie und Unicef, ein Großprojekt angefangen, das bis Ende des Jahres neunhundert syrische und libanesische Kinder in Schulmannschaften in einem sportlichen Wettbewerb vereinigt. Geleitet wird das Monate dauernde Turnier von Fußballtrainerin Hiba Jaafil (29), die als Coach der libanesischen U17 Frauen-Nationalmannschaft im Vorjahr den regionalen „Arab Cup“ eroberte.

„In unserer Region ist Fußball eine positive Kraft“, meint Jaafil. „Das gilt sowohl für unsere libanesische Mädchen-Truppe sowie für syrische Flüchtlingskinder, Jungs und Mädchen. Auf dem Fußballfeld lernen sie, dass Talent und Einsatz wichtig sind, nicht der Preis des Trikots. Respektiere deinen Gegner, sonst verlierst du. Und Erfolg haben kann man nur dann, wenn alle im Team zusammen spielen.“

Jorn de Cock lebt als Journalist in Libanon und war 2009 Gastredakteur beim Tagesspiegel im Rahmen der Internationalen Journalisten-Programms IJP.

Weitere Artikel zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik finden Sie auf unserer Themenseite.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben