Goethe-Institut : Durch Dezentralisierung die Kulturarbeit vor Ort stärken

Gegen die Proteste der Angestellten wird die Kulturarbeit der Goethe-Institute dezentralisiert. In der Münchner Zentrale sollen 50 der insgesamt 270 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das Positive sei, dass nicht ein Institut geschlossen wird.

MünchenGegen die Proteste der Angestellten wird die Kulturarbeit der Goethe-Institute dezentralisiert. In der Münchner Zentrale sollen 50 der insgesamt 270 Arbeitsplätze abgebaut werden. Die wichtigste Neuerung sei, dass von 2008 an das zentralistische System, nach dem das Goethe-Institut noch in weiten Teilen wirtschaftet, durch eine regionale Budgetierung ersetzt werde. "Dies bedeutet für die Auslandsinstitute mehr Planungssicherheit und Gestaltungsspielraum", sagte die Präsidentin des Instituts, Jutta Limbach, im Deutschlandradio Kultur. Insgesamt verteidigte sie das neue Reformkonzept. Das Positive sei, "dass nicht ein Institut geschlossen wird, sondern dass die Institute vor Ort in ihrer Arbeit bestärkt werden."

Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Nach den Worten von Generalsekretär Hans-Georg Knopp wird die Zentrale künftig vor allem beratende und steuernde Aufgaben übernehmen. "Doppelarbeiten werden vermieden, bürokratische Prozesse vereinfacht, Finanzmanagement und Verwaltungsvorgänge rationalisiert", sagte Knopp. Dafür sollen auch Abteilungen zusammengelegt werden. Nach Angaben von Limbach ändert sich für den Besucher der Regionalinstitute in der Welt nach der Umstrukturierung wenig. "Für den Institutsleiter und die Verantwortlichen im Institut ändert sich viel." Diese seien nun in größerem Maße "ihres Glückes Schmied".

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erneuerte ihre Kritik an den Plänen. Sie unterstützten eine nachhaltige Kultur und Politik im Ausland nicht, sagte GEW-Bundesvorstand Ilse Schaad. Die kontinuierliche Kulturarbeit im Ausland, die das Goethe-Institut ausmache, werde zu Gunsten von Projekten und Events aufgehoben. Der Beschluss des Präsidiums sei eine Fehlentwicklung und der erste Schritt, um die Zentrale zu zerschlagen. Auch Beschäftigte der Zentrale des Goethe-Instituts hatten am Donnerstag gegen das Konzept protestiert. In der Zentrale und auch in den Auslands-Instituten würden Stellen abgebaut. Dies führe ohne eine Verringerung der Aufgaben zu "exzessiver Arbeits- und Leistungsverdichtung", hieß es. Kurzfristige Personalkosteneinsparungen würden mit langfristigen (Image)-Verlusten bezahlt.

Limbach äußerte sich auch zum Selbstverständnis des Instituts gegenüber der Bundesregierung. Die Vertrauenswürdigkeit des Goethe-Instituts liege gerade darin, dass es in den inhaltlichen Fragen eigenständig sei. "Wir sind nicht eine Art auswärtiges Presseamt der Bundesregierung", sagte sie dem Sender. Gleichzeitig wies sie Medienvorwürfe zurück, München käme nach der Umstrukturierung nur noch die Rolle des "Eventmanagements" zu. Das Wort "Event" habe in den Diskussionen um die Zukunft des Goethe-Instituts weder als Wort noch in der Sache eine Rolle gespielt, sagte Limbach.

Zur Vermittlung deutscher Kultur im Ausland wendet das Goethe-Institut mit seinen weltweit 142 Einrichtungen in 81 Staaten jährlich rund 250 Millionen Euro auf. Rund 165 Millionen Euro kommen davon vom Auswärtigen Amt. Der übrige Teil wird durch Einnahmen, etwa Gebühren für Sprachkurse, Kulturveranstaltungen und durch Sponsoring gedeckt. (mit dpa)

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