Goethe-Institut : König Midas

Als "glücklichen Menschen" stellte sich Klaus-Dieter Lehmann den Journalisten vor, die er zur Bilanz seiner ersten 100 Tage als Präsident des Goethe-Instituts geladen hatte - aber hat man Lehmann je anders denn als glücklichen Menschen erlebt?

Bernhard Schulz

Klaus-Dieter Lehmann ist der König Midas der deutschen Kulturpolitik; was er anfasst, wird unter seinen Händen zu Gold. So auch das Goethe-Institut, die größte „Mittlerorganisation“ der auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands. Jahrelang musste gejammert werden, um gekürzte Mittel, gestrichene Stellen und geschlossene Institute. Mit einem Mal ist alles anders: „Die Zukunft des Goethe-Instituts ist von der Struktur und vom Geld her gesichert“, konstatiert Lehmann. Basta.

Während Vorgängerin Jutta Limbach unter der Last des Amtes litt, so dass sie am Ende froh war, den mit seiner bereits aufs Maximum gedehnten Präsidentschaft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mitnichten erschöpften Lehmann als Nachfolger dingfest machen zu können, wird der 68-Jährige mit jeder Erfolgsmeldung jünger. Gewiss, er erntet, was Limbach bereits begonnen hatte; aber er erntet zugleich die Früchte seines fabelhaften Netzwerks. Das lässt er nur beiläufig anklingen; etwa wenn er seine Gespräche mit den Haushältern des Bundestags erwähnt. Und dass Lehmann in Frank-Walter Steinmeier einen zuständigen Außenminister gefunden hat, der sich die Kulturpolitik – anders als der bis auf die Knochen kulturferne Joschka Fischer – zu Herzen nimmt, fügt sich ins Bild einer rundum glücklichen Konstellation, das Lehmann immer wieder als Abwehr vor überschwenglichem Lob parat hat.

„Das Konzept Goethe ’09 wird von der Zentrale und den Regionen gelebt“, wischt Lehmann alle früheren Schwierigkeiten mit der Umstrukturierung des aus der Balance geratenen Verwaltungsapparates beiseite. Die Straffung der Münchner Zentrale kommt voran, der Unfug, in Erfüllung von Sparauflagen die ins Ausland „entsandten“, also aus Deutschland kommenden Leute durch Ortskräfte zu ersetzen, wird gestoppt. Und womöglich wird der fatale Trend umgekehrt: Denn nur die Rotation der „Entsandten“ – die Lehmann zudem in deutsche Kulturinstitutionen schicken will, damit sie à jour bleiben – von Auslandsinstitut zu Auslandsinstitut verspricht „die Qualität einer Scout-Funktion“, wie Lehmann das in seinem zuweilen durchschlagenden Kulturmanager-Deutsch ausdrückt.

Lehmann wäre nicht Lehmann, hätte er nicht einen Strauß von Einzelmaßnahmen gebunden, die aufzuzählen Seiten füllen würde: ein mit über fünf Millionen Euro Sondermitteln dotiertes Afrika-Programm, das zu einem kontinentalen Netzwerk führen soll, mit allein zwei neuen Instituten. Ein Netzwerk auch in China, wo die Eröffnung neuer Institute von der Regierung abgewehrt wird: „Wir kennen jetzt alle, die mit uns zusammenarbeiten wollen.“ In Russland – „da haben wir viel zu verlieren“ – steht die Eröffnung des dritten Instituts bevor, in Nowosibirsk, und Moskau darf auf den Auszug aus der ehemaligen DDR-Botschaft in eine bessere Stadtlage hoffen. Und so weiter, und so fort. Lauter beglückte Menschen entströmten dem Goethe-Hauptstadtbüro. Wie auch anders? Bernhard Schulz

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