Kultur : Goethe-Institut: Leonhard wird neuer Generalsekretär

Joachim Huber

Neuer Generalsekretär des Münchner Goethe-Instituts wird Joachim-Felix Leonhard. Die Nachfolge von Joachim Sartorius, der zum Chef der Berliner Festspiele berufen wurde, hatte sich verzögert, weil erst die Fusion von Goethe-Institut und Inter Nationes rechtskräftig werden musste. Danach war der bisherige Leiter von Inter Nationes, Peter Sötje, in den Vorstand des Goethe-Instituts aufgenommen worden und galt ebenfalls als Kandidat für die Sartorius-Nachfolge. Wie das Goethe-Institut gestern abend mitteilte, wurde Leonhard mit großer Mehrheit gewählt. Er wird Sprecher eines insgesamt vierköpfigen Vorstands und tritt sein Amt voraussichtlich im Fühjahr an.

Der 54-jährige Leonhard ist Direktor der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv Frankfurt am Main, einer Gemeinschaftseinrichtung der ARD. Es war insbesondere Leonhard, der den Aufbau des zweiten Standort des Rundfunkarchivs in Potsdam-Babelsberg betrieb. Im jüngst eröffneten Neubau sind die Bestände des ehemaligen DDR-Rundfunks zusammengefasst. Umstritten ist Leonhards Rolle bei der noch immer nicht ins Werk gesetzten "Deutschen Mediathek" in Berlin; manche sehen in ihm einen aktiven Förderer der Idee eines Programm-Museums für Hörfunk und Fernsehen in Deutschland, andere einen Verhinderer.

Leonhard gilt als einer der maßgeblichen Rundfunkhistoriker. So wurde unter seiner Herausgeberschaft eine zweibändige "Programmgeschichte des Hörfunks in der Weimarer Republik" publiziert, mittlerweile ein Standardwerk. Als Honororarprofessor an der Berliner Humboldt-Universität nimmt er einen Lehrauftrag zur Medien- und Kommunikationsgeschichte des 20. Jahrhunderts wahr. Über den Rundfunk hinaus hat der promovierte Historiker zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Themen der Geschichte, aber auch des allgemeinen Informations- und Dokumentationsbereichs sowie des Archiv- und Bibliothekswesens vorgelegt. Mitglied in diversen nationalen und internationalen Fachgremien, war Leonhard von 1996 bis 1999 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und -praxis. Seit Ende 1999 ist er stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute.

Der Präsident des Goethe-Instituts, Hilmar Hoffmann, zeigte sich über Leonhards Wahl hoch erfreut: "Er hat für diesen schwierigen Posten mit seinem doppelten Profil als ausgewiesener Kulturpolitiker und Manager im öffentlich-rechtlichen Umfeld die idealen Voraussetzungen." Die Zustimmung von Außenminister Joschka Fischer zu dieser Entscheidung wird in den nächsten Tagen erwartet.

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