Goethe-Institut : McKinsey war da

Nach heftigen Spardebatten, einzelnen Institutsschließungen und dem Ringen um eine programmatische Neuorientierung nahm sich die Beraterfirma die Organisationsstrukturen des Instituts vor.

Nach fünf Monaten hat die Beratungsfirma McKinsey ihre Untersuchung des Goethe-Instituts (GI) abgeschlossen. Gestern präsentierte GI-Generalsekretär Hans-Georg Knopp dem Bundestags-Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik in einer nicht öffentlichen Sitzung die Ergebnisse und daraus folgende Beschlüsse des GI-Vorstands. Die Berliner Parlamentarier waren für ihre Sitzung eigens nach München gekommen, wo die Zentrale des Goethe-Instituts ihren Sitz hat. McKinsey war zur Verwunderung mancher Goethe-Kenner um eine Evaluierung des mit 129 Auslandsfilialen weltweit operierenden Kulturinstituts gebeten worden. Dabei ging es vornehmlich um organisatorische Strukturen, nicht um die Inhalte der kulturellen Außendarstellung Deutschlands. Doch nach heftigen Spardebatten, einzelnen Institutsschließungen und dem Ringen um eine programmatische Neuorientierung im Hinblick auf den einstigen Ostblock, die islamischen Länder und den asiatischen Raum dringt die Strukturdebatte in alle Bereiche des Instituts.

Wichtigste Konsequenzen, die der Goethe-Vorstand nach den McKinsey-Ergebnissen und Gesprächen mit über 100 Mitarbeitern ziehen möchte: Die rund 300-köpfige Münchner Zentrale werde „ohne betriebsbedingte Kündigungen“ bis 2009 um etwa 50 Mitarbeiter verkleinert, die Leitungen der international 13 Goethe-Regionen sollen künftig dezentral mit einem festen Jahresbudget – ohne Einzelgenehmigungen aus München – Projekte der lokalen Institute ihrer Region finanzieren. Mehrere Abteilungen innerhalb der Münchner Goethe-Zentrale sollen nun zusammengelegt werden. So gehen die programmatisch wichtigen Abteilungen „Wissen und Gesellschaft“ (einschließlich Literatur) sowie „Künste“ (einschließlich Tanz und Theater) künftig in einer Großabteilung „Programm“ auf. Ob für das Programm selbst demnächst noch ein Grundsatzpapier erarbeitet wird, ist derzeit offen. Gegen die Stellenkürzungen in der Zentrale hat sich bereits gewerkschaftlicher Protest erhoben. PvB

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