Goethe-Institut : Neuer Schwerpunkt Afrika

Beim Goethe-Institut herrscht Aufbruchstimmung. Deren neuer Präsident, Klaus-Dieter Lehmann, wird eine völlig gewandelte und modernisierte Organisation vorfinden.

Rüdiger Schaper
Goethe
Die Zentrale des Goethe-Instituts in München. -Foto: dpa

Eine klare Ansage. „Die Segel sind gesetzt. Der Wind weht. Das Schiff nimmt Fahrt auf.“ Das Goethe-Institut, erklärte Generalsekretär Hans-Georg Knopp am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Berlin, geht wieder auf Expansionskurs. In Afrika sollen 2008 mehrere neue Institute eröffnet, in Indien und China über ein halbes Dutzend zusätzlicher Sprachlernzentren eingerichtet werden.

Optimismus allerorten. „2007 war ein entscheidendes Jahr für uns“, erklärte die scheidende Präsidentin Jutta Limbach. Ihr Nachfolger Klaus-Dieter Lehmann wird im kommenden Frühjahr eine Organisation vorfinden, die sich stark gewandelt und modernisiert hat. Man hat die Unternehmensberater von McKinsey in die Münchner Zentrale geholt, den Haushalt saniert, die Zentralverwaltung zugunsten einer größeren finanziellen Eigenverantwortung in den Regionen zurückgeschraubt. Weniger Bürokratie ist das Ziel. Vor allem profitiert das Goethe-Institut – 134 Institute in 82 Ländern – von einem veränderten Bewusstsein in der Politik. Außenminister Frank-Walter Steinmeier unterstützt das Wachstum, der Bundestag hat den Goethe-Etat um 13, 5 Millionen Euro erhöht. Die Zuwendungen des Auswärtigen Amtes sollen sich 2008 auf rund 200 Millionen Euro insgesamt belaufen. Damit scheint die Krise der letzten Jahre, die ohne Institutsschließungen abging, überwunden.

Da kann man bei den Goetheanern ein frisches Selbstbewusstsein heraushören, was sich in vielen neuen und auch neuartigen Projekten niederschlägt. Im Januar wird in der Lower East Side ein „Goethe Art Institute“ eröffnen, der Münchner Kunstverein wird diesen Raum für zeitgenössische Kunst bespielen. Deutschland und Berlin gelten derzeit in New York als cool, so Stephan Wackwitz, der Goethe- Leiter für Nordamerika.

Nach dem G-8-Gipfel wird Afrika auch für das Goethe-Institut zu einem Programmschwerpunkt, offenbar langfristig. Man will afrikanischen Künstlern und Intellektuellen Foren schaffen, Experimentierfelder öffnen und Qualifizierungsangebote machen. Als neue Goethe-Standorte sind Luanda, Daressalam und Khartoum im Gespräch. Die Übergänge von Kulturarbeit zur Entwicklungspolitik sind fließend, so ist es in der Praxis des Goethe-Instituts angelegt. Dazu gehört das Projekt „Schulen: Partner der Zukunft“. Es soll ein weltumspannendes Netz von bis zu 1000 Partnerschulen der Bundesrepublik aufgebaut werden.

Der Netzgedanke taucht verstärkt in den Plänen auf. Die Ausstellung „Die Tropen – Ansichten von der Mitte der Weltkugel“, derzeit in Brasilia, wird im September 2008 im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen sein. Außerdem plant Goethe eine Veranstaltungsreihe über das Jahr 1968, einmal nicht nur aus deutscher oder französischer Sicht. Im April lädt das Goethe-Institut zusammen mit der Japan Foundation auf die Berliner Museumsinsel. „Wiedervorlage: Nationalkultur“ ist das Motto der Konferenz. Fragen an die Heimatfront: Was heißt national, europäisch, global für die kulturelle Identität eines Landes und für die auswärtige Kulturarbeit? Rüdiger Schaper

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