Kultur : Goethes Jünglingsdrama "Die Mitschuldigen"

Tom Heithoff

"Eine Buddel Bier, zwei Buddel Bier, drei Buddel Bier..." Der leicht debile Söller (Henrik Andersen) säuft und singt. Seine Frau Sophie (Halina Kremser) sucht das Glück im Groschenroman, beglückt eine Banane oral und fragt in einem Eimer stehend: "Noch nie ne Frau im Eimer gesehen?" Man kann sich darüber streiten, ob Goethes Jünglingsdrama "Die Mitschuldigen" uns noch etwas zu sagen hat. Regisseurin Heidrun Kaletsch hat mit ihrer Inszenierung in der Brotfabrik (bis zum 17.10. um 20 Uhr 30) jedenfalls eine klare Aussage getroffen: Es sagt uns so wenig, dass wir alles daransetzen müssen, das Stück vergessen zu machen. Was von Goethe als derb-komische Farce über die großen und kleinen Sünden der Menschen angelegt war, zerfällt hier in eine oberflächliche Comedy-Show. Nils Willers und Henrik Andersen nutzen jede Gelegenheit, sich mit Hinzugedichtetem das Lachen der Zuschauer zu erspielen, so dass Goethes Figuren jede Substanz ausgetrieben wird. Ganz anders Dominik Stein, der den Alcest gerade deshalb mit Witz und Ironie darstellen kann, weil er ihn nicht leichtfertig an die Lacher verkauft. Durch ihn gewinnt die Aufführung streckenweise an Dichte. Das Publikum lachte nur über die hinzugefügten Albernheiten. Es lachte nicht über Goethe. Aber Goethe ist nicht schuld daran.

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