Göttingen : Forscher entdecken welfischen Münzschatz

Göttinger Wissenschaftler haben in der Elbtalaue einen Münzschatz aus dem 12. Jahrhundert geborgen. Der "außerordentlich seltene Fund" besteht aus Denaren Heinrichs des Löwen. Die 178 Silbermünzen stammen aus der herzoglich welfischen Münzstätte Bardowick, die von 1141 bis 1180 bestand.

Göttingen/GartowDie Münzen wurden bei Ausgrabungen entdeckt. In der Region untersuchen Göttinger Ur- und Frühgeschichtler die Reste einer Handelssiedlung, die ursprünglich unter slawischer Herrschaft stand. Die Arbeiten sind Teil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes "Slawen an der unteren Mittelelbe", das über Siedlungsstrukturen, Burgenbau und Landschaftswandel Aufschluss geben soll.

In dem Grabungsgebiet hatten Wissenschaftler bereits zuvor immer wieder Scherben gefunden, darunter Teile slawischer Keramik. Im März stießen die Forscher auf einem Acker mit Hilfe von Metalldetektoren auf 73 Münzen, weitere 105 Münzen wurden im April entdeckt.

Die Münzen stammen aus einer unruhigen Epoche

Die welfischen Silbermünzen haben einen Durchmesser von 17 bis 18 Millimeter und tragen auf der Vorderseite ein Kreuz und die Inschrift HEINRIC DVX (Herzog Heinrich). Sie seien Zeugnisse einer politisch höchst unruhigen Epoche, sagte der Göttinger Ur- und Frühgeschichtler Jens Schneeweiß. "Die Slawen waren unbeugsam. Etliche Versuche von westlicher Seite, sie zu missionieren und in Abhängigkeit zu bringen, waren im 10. und 11. Jahrhundert gescheitert."

Erst unter Heinrich dem Löwen sei es gelungen, die slawischen Siedlungsgebiete vor allem durch eine geschickte Siedlungspolitik dauerhaft unter deutsche Herrschaft zu bringen. "Genau in diesen Zeitraum fällt der Münzschatz", sagte Schneeweiß. Die Münzen seien ein Beleg dafür, dass in der Fundregion ein gewisser Reichtum bestand, der vor Gefahren gesichert werden sollte. Derzeit schätzen Experten den Wert der Münzen. (sba/ddp)

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