Kultur : Goldkinder

Die Kunst- und Antiquitätentage in München

Claudia Herstatt

Jahrelang waren die Maßgeblichen in der Münchner Messelandschaft für Kunst und Antiquitäten verzankt. Ob sich der Ruf der ältesten Verkaufsschau ihrer Art noch einmal wiederherstellen lässt, konnte niemand beantworten. Wer nun aber die Messen an ihren drei Schauplätzen – im Haus der Kunst, im denkmalgeschützten Postpalast und dem traditionellen Nockherberg – besucht, der kann die Anstrengungen nur bewundern.

Was die Initiatoren der „Highlights Internationale Kunstmesse“ im Haus der Kunst inszenieren, ist sensationell. Da bieten sich Vergleiche mit Spitzenmessen wie Maastricht und Paris an. Obwohl der Vergleich hinkt: Die Highlights sind mit 55 Händlern vergleichsweise klein. Zudem zeigt die Inszenierung des Niederländers Tom Postma etwas Neues im Messewesen. Seine Ausstellungsarchitektur ermöglicht eine Inszenierung in sinnreichen Bezügen. Das gelingt besonders, wo sich zwei oder mehr Händler verbünden.

Gemeinsam mit dem Initiator des ehrgeizigen Unternehmens, Konrad Bernheimer, sind es Julius Böhler (Starnberg), Blumka (New York) und Katrin Bellinger (London). Da flankiert die „Madonna mit Kind“ von Lucas Cranach um 1534 eine rheinische Skulptur aus fast exakt der gleichen Zeit. Bernheimer hat auf seinem luxuriös großen Gemeinschaftsstand zwei aus einer spanischen Privatsammlung stammende Rubens-Porträts von Erzherzog Albrecht VII und der Infantin Isabella anzubieten (1,8 Mio. Euro).

Die spektakulärste Fusion für die bis zum 31.10. laufende Messe ist die von der Pariser Galerie Steinitz und Röbbig (München). Da entfaltet sich die Pracht der französischen Kultur des 18. Jahrhunderts zwischen Boiserien und einem mit Samt ausgekleideten Baldachin über Meißener Porzellan zum Gesamtkunstwerk.

Im Postpalast (bis 24.10.) haben zur „55. Kunst-Messe München“ 44 Aussteller zusammengefunden. Mitinitiator Albrecht Neuhaus (Würzburg) wartet mit einer Reihe eleganter französischer Möbel auf. Dazu einer wunderbar klaren „Madonna und Kind mit Goldfink“ von Pseudo-Pier Francesco Florentino aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts für 428 000 Euro, eines der teuersten Werke. Auch Christian Eduard Franke (Bamberg) ist guter Dinge: Er hat am Eröffnungswochenende eine Stiftertafel um 1530 aus dem Besitz des Grafen Waldeck veräußert. Entdeckungen sind im Postpalast im charmanten Rundgang zu machen: bei Elfriede Langeloh (Weinheim) ein Meißener Tafelaufsatz in Form eines Dörfchens aus dem Besitz des Grafen von Brühl oder ein prachtvoller sächsischer Schreibschrank, einst ein Geschenk an die Zarin Katharina bei Schmitz-Avila (Bad Breisig). Der Postpalast muss sich nicht hinter den „Highlights“ verstecken.

Wer Trouvaillen entdecken möchte, begibt sich zu guter Letzt zur 66. „Kunst + Antiquitäten“ am Nockherberg (bis 1.11.). So scheint sich die Kunst- und Antiquitätenlandschaft in München auf den verschiedenen Niveaus wieder zu erholen. Möglicherweise bekommt dies allen Beteiligten sogar besser als eine gemeinsame Riesenschau. Claudia Herstatt

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