Kultur : Gondeln

Nun hat auch Venedig eine eigene Kunstmesse

Michaela Nolte

Früher war der Messekalender für Sammler wie Galeristen überschaubar: Die Etablierten fanden sich in Köln, Basel oder Chicago ein, das Mittelfeld reiste nach Paris oder Frankfurt. Heute schlägt der globale Pegel bei geschätzten 200 Veranstaltungen aus, eingedenk der Spezialmessen, Neugründungen und Trabanten, die sich um Messen wie die Art Basel Miami Beach oder das Art Forum in Berlin gruppieren. Von Abu Dhabi bis New York, von Düsseldorf bis Puerto Rico steht das Messe-Karussell nicht still.

Dass man ausgerechnet in Venedig „erst“ zur 52. Biennale auf den Synergieeffekt von Kunst-Blockbuster und Markt setzt, erstaunt geradezu. Die Cornice Art Fair gestaltet sich mit 55 teilnehmenden Galerien noch recht bescheiden; dafür vermeldet die Pressestelle weniger zurückhaltend: „Cornice was born big.“

Große Namen erscheinen allerdings im Hintergrund der kleinen Messe. Zur Jury gehört neben Daniella Luxembourg vom Auktionshaus „de Pury & Luxembourg“ auch Jean-Jacques Aillagon. Frankreichs Ex-Kulturminister und ehemaliger Leiter des Centre Pompidou amtiert heute als Direktor der Sammlung von François Pinault. Der französische Milliardär und Christie’s-Inhaber residiert im Palazzo Grassi und hat sich jüngst noch das historische Zollamt am Canal Grande gesichert. Konkurrentin im Kampf um die „Punta Dogana“ war die Peggy-Guggenheim-Stiftung. Zwar scheiterte Venedigs Bürgermeister bei dem Versuch, die beiden Institutionen unter ein Dach zu bringen, doch für die neue Messe rückte man nun wieder zusammen: Augustus Rylands, Sohn des hiesigen Guggenheim-Direktors, ist der Leiter der Cornice.

Die trumpft zwar nicht mit den „Global Players“ der Szene auf. Dafür bietet der eigens entworfene Pavillon vor den Toren der Lagunenstadt ein gelungenes Ambiente für die Kunst. Und Michael Schultz wusste es längst: „Wenn eine neue Messe überhaupt Sinn macht, dann in Venedig; alle zwei Jahre parallel zur Biennale“, so der Berliner Galerist. Nach acht Messen im letzten Jahr will er nun zwar kürzertreten, doch dass die Messe hier erfolgreich werden kann, davon ist er überzeugt. „Es geht zunächst weniger ums Geld, sondern um Kontakte. Und dafür stehen die Chancen in Venedig so gut wie sonst nirgendwo.“

Wenngleich einige rote Punkte aufblitzen, nimmt das Gros der Sammler diese Chance nur bedingt an und wird weiter nach dem Motto agieren: „See in Venice, buy in Basel.“ Zumal die Biennale-Künstler auf der Cornice kaum vertreten sind: neben Gerhard Richter und Sigmar Polke noch Herbert Brandl und Ernesto Vila. Die Muße für Neuentdeckungen scheint parallel zum Messe-Aufschwung abzunehmen – obwohl die Cornice-Architektur dafür einen geeigneten Ort bietet.

Fehlt eigentlich nur noch eine Kunstmesse in Kassel. Alle fünf Jahre natürlich. Einstweilen wandern wir im September Richtung Balearen zur neuen „Art Cologne Palma de Mallorca“, und wem das zu nah ist, dem sei Schanghai empfohlen. Dort eröffnet im selben Monat die „ShContemporary“. Michaela Nolte

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