Kultur : Gorillaz

Diese Woche auf Platz 2 mit: „Demon Days“

Ralph Geisenhanslüke

Erscheint der Musikmarkt, all diese Boygroups, Klingeltöne, MTV und Viva, nicht bisweilen wie ein alberner Comic-Strip? Das könnte Damon Albarn auch gedacht haben. Vielleicht lag es daran, dass der Sänger und Mastermind der äußerst erfolgreichen britischen Band Blur seine Wohnung mit einem Comiczeichner teilte. Die Legende will, dass Albarn und Jamie Hewlett eines Abends in ihrer WG hockten und mit allem unzufrieden waren. Wie wäre es, fragten sie sich, wenn man sämtliche musikalischen Freiheiten hätte – und mit dem ganzen Popstar-Dasein nichts am Hut? Keine Plattenfirma, die einem reinredet. Keine Klatschreporter. Keine Image-Probleme. So wie Kraftwerk, die sich einst von ihren Robotern vertreten ließen. Also beschlossen Albarn und Hewlitt, eine Comic-Band zu gründen.

Hewlett war als Erfinder der Comicfigur „Tank Girl“ prädestiniert für den visuellen Teil. Aber er spielt auch sehr passabel Bass. Seine „Musiker“ mit ihren dunklen Augenhöhlen sahen bei den Trips durch ihr Endzeituniversum nicht immer fröhlich drein. Doch die Musik der Gorillaz entstand aus reinem Wohlgefallen. Mitglieder der Talking Heads spielten dabei mit. Oder auch Ibrahim Ferrer vom Buena Vista Social Club. Man wusste nie, was hinter der nächsten Ecke kam. Das erste Album wurde ein Überraschungshit des Jahres 2001. Bei Livekonzerten spielte die echte Band hinter einer Projektion mit Zeichentrickfiguren.

Nun folgt vier Jahre später der zweite Streich. Die Gorillaz trauen sich was. Diesmal sind es nicht die lässigen HipHop-, Punk- oder Dub-Exkursionen, diesmal ist es der Nervensägensound der überreizten Gegenwart, mit Sirenen und fiepigen Synthies, den Albarn und Hewlitt in wundersam erträgliche Bahnen lenken. Zu Gast am Mikrofon: unter anderem Dennis Hopper und De La Soul. Und spätestens bei dem surrealen und zugleich ohrwurmigen „Feel Good Inc“ zeigt sich: Das Affentheater lohnt sich.

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