Kultur : Gotha hofft

Bernhard Schulz

Gotha zählt zu den Städten, die am stärksten von Verlusten an Kulturschätzen zum Ende des Zweiten Weltkrieges betroffen sind. In der Berliner Vertretung des Landes Thüringen fand denn auch am Donnerstagabend die Vorstellung eines Buches statt, das eine privat organisierte Moskauer Tagung vom Frühjahr diesen Jahres doumentiert. Privat organisiert - das lässt aufhorchen, denn die diplomatischen Verhandlungen kommen partout nicht vom Fleck.

Das ist denn auch der Ansatzpunkt der privaten Tagung, deren Moderatoren in der Landesvertretung zu Wort kamen - Olaf Werner von der Rechtsfakultät der Universität Jena und Ekaterina Genieva, Direktorin der Bibliothek für ausländische Literatur in Moskau. Beide Seiten, so Werner, seien sich in dem Grundsatz einig, Kulturgüter an ihren ursprünglichen Standort zurückzugeben. Da es aber derzeit keine juristische Einigung geben könne, solle der Weg über eine gemeinsam zu errichtende Stiftung beschritten werden, der die in Frage stehenden Objekte überschrieben werden sollten. Ausstellungen in beiden Ländern unter Zusicherung "freien Geleits", Leihgaben und wissenschaftliche Bearbeitung sollen die wichtigste Forderung erfüllen: die nach öffentlichem Zugang der seit Jahrzehnten versteckten und mittlerweile akut von Verfall bedrohten Schätze. Die Frage des letztgültigen Aufbewahrungsortes könne dadurch "mediatisiert" werden. Immerhin - man spricht miteinander.

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